Y tu mamá también – zu deutsch: und deine Mutter auch. Als
internationale Erläuterung: Lust for life. Etwas kryptisch. Vielleicht
hilft die Programmankündigung weiter, dachte ich mir.
"Road-Movie als Parabel auf den Zustand der mexikanischen
Gesellschaft: Mit der Aussicht auf einen geheimen Traumstrand animieren
zwei Teenager, nicht ohne sexuelle Hintergedanken, eine attraktive
Schönheit zu einer Reise quer durchs Land."
"Y tu mamá también" war trotz - oder wegen? -
Zensureingriffen ein enormer Erfolg in Mexico und ist im Gegensatz zum
unausgewogenen "Amores Perros", wild und nachdenklich, gewagt
und gewaltig, politisch und poetisch. Mit jedem Kilometer der Reise reifen
die Figuren und berühren mehr..."
Meine Neugier war jetzt geweckt, aber gewaltig in die Irre
geführt. Da animieren zwei junge Männer also diese Schönheit zu einer
Reise an einen Traumstrand, mit sexuellen Hintergedanken. Doch eher mit
sexuellen Hauptgedanken. Sexualität als Parabel auf den Zustand der
Gesellschaft. Dabei wird die Sexualität durchaus sehr gewagt eingesetzt,
der Film schrammt permanent an der Grenze zum Porno entlang. Und wo die
Macht der Bilder an der Genregrenze halt machen muss, werden Worte
hinterhergeschoben, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen.
Warum auch nicht? Schließlich sind wir alle erwachsen. Oder? Nein. Der
Film ist ab 12 freigegeben. Eine sehr befremdliche Entscheidung, mit 18
ist weiß Gott früh genug. Oder möchten Sie, dass ihr Dreizehnjähriger
erfährt, wie man jemandem am besten den Finger in den Arsch steckt oder
wo die Klitoris sich genau versteckt?
Die zwei Teenies mit einem echten Ehrenkodex, der ihre Freundschaft
besiegelt, machen sich mit einer schönen Frau auf den Weg. Das Verhalten
der Frau mag einem unverständlich erscheinen, doch am Ende klärt sich
alles auf. Am Ende, als die Gruppe in drei Einzelpersonen zerfallen ist,
die nichts mehr miteinander zu tun haben wollen. Weil der Ehrenkodex keine
Ehrlichkeit verträgt. Das Vehikel zu dieser Ehrlichkeit ist die
Sexualität, was bei ihrem quasi pornografischen Auftreten ihren
künstlerischen Wert erklärt. Ob sich das dem deutschen Zuschauer so
erschließt, ist mehr als fraglich, aber schließlich wurde der Film nicht
fürs europäische Publikum gemacht.
Dem Film wurde ferner vorgeworfen, mexikanische Klischees zu
strapazieren. Der Deutsche jedoch, der sein Mexico-Bild vom
"Traumschiff" und der "Klinik unter Palmen" bezieht,
wird mit einem geballten Maß an Realität konfrontiert, was allerdings
nur gut tut. Mir hat der Film sehr gut gefallen. Nachdem ich ihn
vorverdaut habe, würde ich ihn gern nochmals sehen. Und ich würde mir
sehr gut überlegen, mit wem ich ins Kino gehe.
Der Regisseur des Films, Alfonso Cuarón, ist übrigens als Regisseur
für "Harry Potter 3" im Gespräch. Sollte er zum Zuge kommen,
darf man gespannt sein.