Die weiße Massai

Ein Film von Hermine Huntgeburth

Mit Nina Hoss, Jacky Ido, Katja Flint u. a.

Helgas Meinung

Ein landschaftsgewaltiger Film hat bei mir die Maximalbewertung sicher, wenn er sich keine groben Schnitzer erlaubt. Und die endlose, afrikanische Steppe mit Massai in traditionellem Putz ist einfach ein Augenschmaus, der kaum noch zu toppen ist. Doch dieser Film hätte auch ohne Landschaftsaufnahmen seine vier Augen bekommen.

Eine Touristin verliebt sich Knall auf Fall in einen Massai und lässt alles stehen und liegen, um ihm in den Busch zu folgen. Viele von uns haben im Hinterkopf eine Sehnsucht zurück zu den Wurzeln, zu den Ursprüngen, zur Natur. Europäer haben oftmals eine sehr verklärte und romantische Vorstellung vom Leben, in dem die Natur noch das Sagen hat. Es ist nämlich grausam.

Da sind einmal die einfachen Lebensumstände: winzige, rauchgeschwängerte Hütten aus Kuhdung, Ungeziefer, Unbequemlichkeit, Wassermangel. Karge Nahrung, gelegentlich durch einen ordentlichen Schluck Rinderblut aufgewertet, was auch in aller Deutlichkeit gezeigt wird.

Gleichzeitig wird eine Liebesgeschichte erzählt, die durch übermäßige Eifersucht ein Ende findet. Dieser Hauptaufhänger dieses Films ist eigentlich banal und hätte genauso in Europa stattfinden können.

Am spannendsten jedoch ist der Zusammenprall der Kulturen, der in einem Totalschaden endet. Eine Frau ist bei den Massai nicht viel wert, und die Frau versucht, ihre eigene Stellung zu verbessern. Dadurch fühlt sich der Mann in seiner Ehre gekränkt. Alle ihre weiteren Versuche, ein bisschen Wohlstand in das Dorf zu bringen, kränken ihn in seiner Ehre weiter, die gemeinsame Basis geht verloren, Misstrauen und Eifersucht kommen hinzu, bis sie irgendwann vor ihm flieht.

Das Ganze wird in ergreifend schönen, zum Teil aber auch außerordentlich drastischen Bildern erzählt. Corinna Hofmann ist für ihre Geschichte sehr angegriffen worden. Sie habe sich nicht wirklich auf die Kultur der Massai eingelassen. Aber Hand aufs Herz: Wer von uns würde das tun? Und was wäre passiert, wenn sie in ihrem neuen Kulturkreis völlig aufgegangen wäre? Dann hätten wir nie mehr von ihr erfahren. Die Vorwürfe, dass die Schwarzen nur als Staffage benutzt werden, verfangen meiner Ansicht nach auch nicht, denn es geht hier um ein höchst subjektives Erleben, das keinen Anspruch an irgendwas erhebt. Und dass dieses Erleben viele Menschen interessiert, beweist einfach die Platzierung des Films und der Bücher. Es handelt sich hier lediglich um einen ungeheuer spannenden biografischen Ausschnitt. Mehr nicht. Und als solchen sollte man die Geschichte bewerten.

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Zuletzt aktualisiert am: Sonntag, 09. Oktober 2005

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