|
Ein landschaftsgewaltiger Film hat bei mir die
Maximalbewertung sicher, wenn er sich keine groben Schnitzer
erlaubt. Und die endlose, afrikanische Steppe mit Massai in
traditionellem Putz ist einfach ein Augenschmaus, der kaum noch zu
toppen ist. Doch dieser Film hätte auch ohne Landschaftsaufnahmen
seine vier Augen bekommen.
Eine Touristin verliebt sich Knall auf Fall in einen
Massai und lässt alles stehen und liegen, um ihm in den Busch zu
folgen. Viele von uns haben im Hinterkopf eine Sehnsucht zurück zu
den Wurzeln, zu den Ursprüngen, zur Natur. Europäer haben oftmals
eine sehr verklärte und romantische Vorstellung vom Leben, in dem
die Natur noch das Sagen hat. Es ist nämlich grausam.
Da sind einmal die einfachen Lebensumstände:
winzige, rauchgeschwängerte Hütten aus Kuhdung, Ungeziefer,
Unbequemlichkeit, Wassermangel. Karge Nahrung, gelegentlich durch
einen ordentlichen Schluck Rinderblut aufgewertet, was auch in aller
Deutlichkeit gezeigt wird.
Gleichzeitig wird eine Liebesgeschichte erzählt, die
durch übermäßige Eifersucht ein Ende findet. Dieser Hauptaufhänger
dieses Films ist eigentlich banal und hätte genauso in Europa
stattfinden können.
Am spannendsten jedoch ist der Zusammenprall der
Kulturen, der in einem Totalschaden endet. Eine Frau ist bei den
Massai nicht viel wert, und die Frau versucht, ihre eigene Stellung
zu verbessern. Dadurch fühlt sich der Mann in seiner Ehre gekränkt.
Alle ihre weiteren Versuche, ein bisschen Wohlstand in das Dorf zu
bringen, kränken ihn in seiner Ehre weiter, die gemeinsame Basis
geht verloren, Misstrauen und Eifersucht kommen hinzu, bis sie
irgendwann vor ihm flieht.
Das Ganze wird in ergreifend schönen, zum Teil aber
auch außerordentlich drastischen Bildern erzählt. Corinna Hofmann
ist für ihre Geschichte sehr angegriffen worden. Sie habe sich nicht
wirklich auf die Kultur der Massai eingelassen. Aber Hand aufs Herz:
Wer von uns würde das tun? Und was wäre passiert, wenn sie in ihrem
neuen Kulturkreis völlig aufgegangen wäre? Dann hätten wir nie mehr
von ihr erfahren. Die Vorwürfe, dass die Schwarzen nur als Staffage
benutzt werden, verfangen meiner Ansicht nach auch nicht, denn es
geht hier um ein höchst subjektives Erleben, das keinen Anspruch an
irgendwas erhebt. Und dass dieses Erleben viele Menschen
interessiert, beweist einfach die Platzierung des Films und der
Bücher. Es handelt sich hier lediglich um einen ungeheuer spannenden
biografischen Ausschnitt. Mehr nicht. Und als solchen sollte man die
Geschichte bewerten. |