Lost in Translation

Ein Film von Sofia Coppola

Mit Bill Murray, Scarlett Johansson u. a.

Helgas Meinung

Auge

Zwei einsame Westler verloren in Tokyo. Das hört sich sehr interessant an. Aber mich haben die zwei Jammerlappen, um die es in dieser Geschichte ging, furchtbar genervt. Wer so wenig Bereitschaft mitbringt, sich mit einer fremden Kultur auseinander zu setzen, sollte am besten gleich zu Hause bleiben. Wir haben den alternden Schauspieler Bob Harris 
(Bill Murray), der Whiskywerbung dreht. Wir erfahren auch, dass er seit 25 Jahren verheiratet ist. Als er jedoch mit seiner Frau telefoniert, kräht ein Baby, seine Tochter, im Hintergrund. Derlei Ungereimtheiten verderben mir jeden Spaß. Auch dass Bob von seiner Frau uberschwänglich und hirnrissig mit Faxen und Päckchen überhäuft wird, passt gar nicht zu einer alten Ehe. Wie dem auch sei, Bob ist von Japan total genervt. Was einen Westler an Japan verunsichern kann, wird z.B. in Erleuchtung garantiert wesentlich amüsanter dargeboten. Wir lernen auch Charlotte kennen (Scarlett Johansson) kennen, die ihren Mann, einen Celebrity-Fotografen, auf eine Dienstreise nach Japan begleitet. Und vor Selbstmitleid zerfließt, weil ihr Mann sie links liegen lässt. Aber damit muss eine Frau, die ihren Mann auf eine Dienstreise begleitet, zwangsläufig rechnen. Sorry. Diese beiden, von ihren besseren Hälften unverstandenen Gestalten begegnen sich also und entdecken Tokyo für sich. Ich gehe davon aus, dass dieser Teil des Films mir gut gefallen hätte, wenn ich nicht schon Erleuchtung garantiert gesehen hätte. Doch die vermeintlichen seelischen Nöte der  Hauptdarsteller fand ich zum Würgen und somit war der Film für mich verlorene Zeit.

Monikas Meinung:

Der alternde Schauspieler Bob Harris (Bill Murray) dreht in Tokio einen Werbespot für Whiskey und lernt an der Hotelbar Charlotte (Scarlett Johansson) kennen, die ihren Mann auf einer Dienstreise begleitet. Beide fühlen sich in der fremden Großstadt einsam und verloren und freunden sich an.

Es ist inzwischen bekanntlich die Regel, dass ältere männliche Darsteller fast ausschließlich mit sehr jungen Partnerinnen drehen, und Lost in Translation bildet keine Ausnahme von dieser Regel. Trotzdem hat es mich in diesem Film weniger gestört, weil es nicht um eine heiße Liebesbeziehung, sondern um Freundschaft ging, nämlich um die Annäherung zweier Menschen aus demselben Kulturkreis, die sich in einer Umgebung kennen lernen, die für sie so fremd ist wie der Mars. Die Verständigung mit den Japanern funktioniert nur über Dolmetscher, und der Zuschauer erfährt gleich zu Beginn der Geschichte, dass es kein besonders angenehmes Gefühl ist, darauf angewiesen zu sein.

Sämtliche Kulturschocks, die man als Bewohner der westlichen Welt bekommen kann, wenn man zum ersten Mal in Japan ist, bleiben auch Bob nicht erspart: Da sind z. B. das vollautomatisierte Hotelzimmer und das ungewohnte Essen, und es erleichtert die Arbeit nicht gerade, wenn man sich nicht direkt verständigen kann und die wortreichen Anweisungen des Regisseurs nur als "Stenogramm" von einem Dolmetscher übermittelt bekommt. Lost in Translation ist jedoch keine Slapstick-Komödie, der Humor ist zurückhaltend, aber dennoch treffsicher, so dass der Film nie zu melancholisch wird oder gar langweilig, auch wenn die gezeigten Situationen im Prinzip recht alltäglich sind. Man muss Bob einfach sympathisch finden, dessen Frau nichts Besseres zu tun hat, als ihm mitten in der Nacht Faxe zu schicken, damit er ihr mitteilt, welches Regal sie für sein Arbeitszimmer kaufen soll, und die ihm per Kurier Muster für den Teppichboden schickt. Als ob das alles nicht eine Woche Zeit hätte bis zu seiner Rückkehr. Scarlett Johansson, die bereits in der Rolle der dreizehnjährigen Grace in Der Pferdeflüsterer eine beachtliche schauspielerische Leistung abgeliefert hat, ist auch diesmal überzeugend. Der Film kommt ohne melodramatische Situationen und aufdringliche Komik aus, es ist eine melancholische Komödie, wie man sie nur relativ selten findet. Sehenswert.

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Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. September 2005

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