Traffic - Die Macht des Kartells
Ein Film von Steven Soderbergh
Mit Michael Douglas, Benicio Del Toro, Catherine
Zeta-Jones, Don Cheadle, Erika Christensen, u. a.
Christinas Meinung:
  
Richter Robert Wakefield (Michael Douglas) soll im Auftrag der
US-Regierung den Feldzug gegen die Drogen leiten. Während er den Hightech-Krieg plant, bleibt es seiner Frau Barbara (Amy Irving)
überlassen, mit der Drogensucht ihrer Tochter Caroline (Erika
Christensen) fertig zu werden, bis schließlich nicht einmal er sich noch
vor der Tatsache verschließen kann, dass nichts, was er in Washington
tut, Caroline helfen kann.
Javier Rodriguez (Benicio Del Toro) und sein Partner Manolo (Jacob
Vargas) sind unterbezahlte Polizisten im mexikanischen Tijuana, die sich
damit abfinden müssen, dass sich ihre Welt nicht fein säuberlich in
"Gute" und "Böse" einteilen lässt. Manolo
scheitert bei dem Versuch, wenigstens für sich etwas herauszuschlagen,
während Javier weiter auf verlorenem Posten kämpft und einen Sieg
erringt, der einen bitteren Beigeschmack hat.
Montel Gordon (Don Cheadle) und Ray Castro (Luis Gúzman) von der
Polizei San Diego schnappen den Dealer Eduardo Ruiz (Miguel Ferrer), der
ihnen seinen Boss Carlos Ayala (Steven Bauer) liefert. Für dessen Frau
Helena (Catherine Zeta-Jones), die von den illegalen Aktivitäten ihres
Mannes keine Ahnung hatte, bricht eine Welt zusammen, aber als sie
merkt, dass ihr niemand beisteht, führt sie ohne Skrupel seine
Geschäfte weiter.
Es sind keine außergewöhnlichen Geschichten, die Steven Soderbergh
in seinem Film TRAFFIC erzählt. Die mit ihren Karrieren beschäftigten
Eltern, die die Drogensucht ihrer Kinder erst bemerken, wenn es schon
fast zu spät ist, sind schon in unzähligen Fernsehfilmen der Woche
verwurstet worden, und auch der einsame Streiter im Sumpf aus Drogen und
Korruption ist nichts Neues. Die Geschichte von der verwöhnten
Hausfrau, die sich so mühelos ins Drogengeschäft hineinfindet und
selbst die gewieften Ermittler austrickst, fällt etwas aus dem Rahmen.
Soderbergh hat diese Geschichten auf einzigartige Weise zu einem
aussagekräftigen Film verknüpft, der ein ernstes Thema weder in Pathos
versinken noch von wilder Action übertönen lässt. TRAFFIC ist ein
Mammutwerk, und Soderbergh ist höchster Respekt allein dafür zu
zollen, dass er nicht die Kontrolle über seinen komplexen Stoff
verliert.
Neben der bis in die kleinsten Rollen ausgezeichnet besetzten
Schauspielerriege besticht der Film durch seine Bildersprache. Die
Szenen in Mexiko muten an wie ein Dokumentarfilm mit körnigen Bildern
und wackeliger Kamera. Das diplomatische Parkett in Washington kommt in
kühlem Blau daher. Politiker in maßgeschneiderten Anzügen verbergen
ihre Hilflosigkeit hinter geschäftigem Tun und lauten Forderungen nach
schärferem Vorgehen. Auf Parties diskutieren Lobbyisten, wie sie von
dem Drogenkuchen etwas für ihre eigenen Zwecke abzweigen können, das
Schnapsglas immer in der Hand. Die drogensüchtigen Teenager in diesem
Film sind materiell gut versorgt und haben Eltern zum Vorbild, die in
ihrer Jugend selbst mit Drogen experimentiert haben und sich nichts
dabei denken, zur Entspannung auf die Drogen zurückzugreifen, die eben
zufällig für legal erklärt wurden.
Soderbergh balanciert seine Geschichten sorgfältig aus, ohne eine
davon zur Nebenhandlung zu degradieren. Er betont immer wieder, dass
nicht nur das Angebot, sondern auch die Nachfrage den Drogenhandel am
Leben erhält. Sein Augenmerk ist auf die Auswirkungen gerichtet, die
Drogen auf Menschen haben, nicht nur auf die, die sie nehmen, sondern
auch auf die, die sie verkaufen. Dabei hütet er sich davor, die einen
nur als wehrlose Opfer und die anderen nur als skrupellose Täter
darzustellen. Die einen wie die anderen haben die allzu menschliche
Eigenschaft, das Leben eben so zu sehen, wie es für sie am bequemsten
ist.
Superstar Michael Douglas fügt sich in das Ensemble ein, obwohl er
natürlich eine herausragende Rolle spielt. Es war wohltuend, dass weder
er noch sonst jemand wie der strahlende Held daherkam, der für alles
eine Patentlösung parat hat. Es sitzt auch niemand auf dem moralischen
hohen Ross. Es wurde oft gesagt, dass TRAFFIC keine Lösungen anbietet,
aber ich bin da anderer Meinung. Richter Wakefield sagt es in der
Therapiestunde seiner Tochter: Wir sind hier um zuzuhören.
Steven Soderbergh hat ein brisantes Thema zu einem wohltuend
nachdenklichen Film verarbeitet, der zudem noch äußerst spannend ist.
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Christina
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