Schiffsmeldungen

Ein Film von Lasse Hallström

Mit Kevin Spacey, Judi Dench, Julianne Moore, Gordon Pinsent, Scott Glenn, u. a.

Christinas Meinung:

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Quoyle (Kevin Spacey) ist ein unauffälliger Mensch, dem noch nie etwas gelungen ist. Der Höhepunkt seines Lebens war die Begegnung mit der lebenslustigen Petal (Cate Blanchett). Als sie ihn sechs Jahre später endgültig verlässt und kurz darauf bei einem Autounfall ums Leben kommt, taucht seine Tante Agnis Hamm (Judi Dench) auf und nimmt Quoyle und seine Tochter Bunny mit nach Neufundland, wo ihre Familie herstammt. Agnis will sich ihrer Vergangenheit stellen und ist der Ansicht, dass auch Quoyle an seinen Ursprung zurückkehren muss, um seine Zukunft meistern zu können.

Neufundland mit seinem rauen Klima und seinen seltsamen und doch liebenswerten Bewohnern entpuppt sich als genau der richtige Ort, um sein Leben endlich wieder in den Griff zu bekommen, nicht nur für Quoyle, sondern auch für Bunny und Agnis.

Mit SCHIFFSMELDUNGEN hat Lasse Hallström sein Formtief von CHOCOLAT überwunden. Der gleichnamige Roman von E. Annie Proulx eignet sich offenbar nicht dazu, geradlinig von Anfang bis Ende erzählt zu werden. Fast jede Nebenfigur hat ihre eigene Geschichte, aber Hallström schafft es, all das auf die Leinwand zu bringen. Und man verliert trotz Rückblenden und Traumsequenzen nicht den Überblick.

Kevin Spacey stellt sein Talent einmal mehr unter Beweis, auch wenn sein Quoyle in der ersten Hälfte des Films mit seiner Jämmerlichkeit hart an der Grenze des Erträglichen entlangschrammt. Seine Selbstfindung in der kargen Umgebung Neufundlands ist glaubhaft und anrührend. Überhaupt strahlt der Film überraschend viel Wärme aus, bedenkt man, dass er in einer Gegend spielt, in der sogar im Mai noch Schnee liegt und die sich grau in grau auf der Leinwand präsentiert. Oliver Stapletons Bilder fangen die raue Schönheit der Landschaft ein, ohne sie zu verkitschen.

Gleiches gilt für die Einwohner. Quoyles Kollegen, die den Drucker zum Journalisten und den Jammerlappen zum zufriedenen Menschen erziehen und die mit ihren Schrullen und Eigenheiten an die besten Zeiten der Fernsehserie AUSGERECHNET ALASKA erinnern. Hier wird kein künstliches Idyll gezimmert. Darsteller wie Pete Postlethwaite, Gordon Pinsent, Scott Glenn und Rhys Ifans hauchen den skurrilen Figuren Leben ein. Großartig auf sehr zurückhaltende Weise sind auch Julianne Moore und Judi Dench als spröde Frauen, die an den Verletzungen wachsen, die ihnen zugefügt wurden.

Themen wie Vergewaltigung, Missbrauch oder Untreue fügen sich bei SCHIFFSMELDUNGEN subtiler in die Handlung ein als bei GOTTES WERK UND TEUFELS BEITRAG, wo ich den Eindruck hatte, dass eine Checkliste abgearbeitet wurde. Auf ein paar der blutigeren Szenen hätte ich verzichten können, aber alles in allem fügt sich der Film zu einer harmonisch erzählten Geschichte zusammen.

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Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. September 2005

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