|
Verschwörungen und Verfolgungsjagden sind
normalerweise nichts, was mich ins Kino lockt, aber nachdem die
Kirche derartig Werbung für den Film gemacht hatte, packte mich die
Neugier doch.
Der Werbefilm, in dem ein kleines Kind auf den wegen
Raubkopiererei einsitzenden Vati wartet, wurde durch eine
zusätzliche Verdächtigung von Sony Pictures ergänzt, als ob man
explizit ins Kino geht, um Raubkopien aufzuzeichnen.
Dann fing der Film an. Der Symbologe Langdon trifft
im Louvre an einem rituell Ermordeten die Kryptologin Neveu. Sofort
fühlen sich diese zwei verwandt und wissen, dass ein bisher
unbekanntes Geheimnis sie vereint. Da sie als Mörder gelten, müssen
sie sich auf die Flucht begeben, erleben die abenteuerlichsten und
gewagtesten Dinge, doch natürlich überstehen sie selbst die
unwahrscheinlichsten Geschichten, sonst wäre der Film ja gleich zu
Ende.
Unter anderem liefert sich Neveu eine
Verfolgungsjagd mit der Polizei, bei der sie ihren Häschern entgeht,
indem sie mit ihrem Smart rückwärts über die Bürgersteige von Paris
brettert, ohne jemanden totzufahren. Auf diese Fahrkünste bin ich
neidisch geworden und habe mich gefragt, wo sie als Kryptologin und
Hausfrau die Zeit hernimmt, um derartig fahren zu üben. Was mich
aber am meisten beeindruckt hat, war die Tatsache, dass sie die
schlimmsten Verfolgungsjagden durch ganz Europa in hohen Pumps,
adrett gekleidet und mit stets frischem Make-up übersteht, während
Langdon wenigstens ein bisschen mitgenommen wirken darf. Dass die
Helden die Verfolgungsjagd überleben, hätte ich noch halbwegs
verkraften können, aber dass sie wie aus dem Ei gepellt aussahen,
ging mir definitiv zu weit.
Im Prinzip kämpfen die Sekte Opus Dei, die ja
wirklich existiert, und der fiktive Geheimbund Prieuré de Sion
gegeneinander, wobei es gilt, das Geheimnis des Heiligen Grals zu
entschlüsseln.
Aufgrund des Wahrheitsgehaltes und der
Charaktertiefe war für mich der mordende Mönch Silas die
faszinierendste Figur. Der Irrsinn, zu dem ihn sein Glaube treibt,
ist von einer verstörenden Aktualität. Die Selbstgeißelung und das
Dornenband gibt's wirklich.
Optisch ist der Film ein Augenschmaus. Es wurde an
Originalschauplätzen gedreht, und selbst wo die Dinge sich im
Privaten abspielten, geschah das nicht in einem Reihenhaus von der
Stange. Die historischen Rückblenden waren optisch deutlich
abgegrenzt und haben mir sehr gut gefallen.
Die Schauplätze, die Aufnahmetechnik, eine gute
Story und Charaktere, deren innere Zerrissenheit für den Zuschauer
erkennbar wären, hätten einen spektakulären Film ergeben können,
aber die beiden geschniegelten Hauptdarsteller perlen rückstandsfrei
an einem ab. |