Star Trek: Nemesis
Ein Film von Stuart Baird
Mit Patrick Stewart, Brent Spiner, Tom Hardy, Marina
Sirtis, Jonathan Frakes, u. a.
Christinas Meinung:

Nach der Hochzeit von Counsellor Troi (Marina Sirtis) und Commander
Riker (Jonathan Frakes), der endlich ein eigenes Kommando angenommen hat, ist die Enterprise auf dem Weg nach Betazed,
als sie ein seltsames Signal auffängt. Als sie ihm folgen, finden Picard
(Patrick Stewart), Data (Brent Spiner) und Worf (Michael Dorn) auf einem
Wüstenplaneten den in Einzelteile zerlegten Androiden B-4, ein Vorgängermodell
von Data. Kurz darauf teilt Admiral Janeway (Kate Mulgrew) dem Captain mit,
dass die Enterprise nach Romulus fliegen soll, weil der neue Praetor Shinzon
(Tom Hardy) Frieden mit der Föderation schließen möchte.
Auf Romulus angekommen ist Picard überrascht, in den Verhandlungen
keinem Romulaner gegenüberzustehen, sondern seinem eigenen jüngeren Ebenbild,
einem Klon, den die Romulaner geschaffen hatten, um ihn in die Sternenflotte
einzuschleusen. Jetzt steht er an der Spitze der Remaner, einer Rasse, die die
Romulaner als Sklaven in ihren Dilithiumminen halten, und hat auf Romulus die
Macht übernommen. Picard möchte seinem anderen Ich vertrauen, aber will er
wirklich Frieden mit den Menschen schließen, oder hat er ganz andere Absichten?
STAR TREK: NEMESIS soll das letzte Abenteuer der Next-Generation-Crew
sein. Leider verabschiedet sich die Crew um Captain Picard nicht mit einem
Knall, sondern höchstens mit einem leisen Puff, auch wenn der Film an sich
recht laut ist. Tom Hardy macht sich zwar ganz gut als jüngere Version von
Picard, ist als Bösewicht aber ziemlich saftlos. Den größten Teil des Films
bringt er damit zu, über seine harte Kindheit zu jammern. Dabei versäumen es
die Macher des Films leider, uns mehr über die Remaner zu erzählen und über die
Hintergründe ihrer Revolte. Es gibt reichlich Gefechte und Kämpfe Mann gegen
Mann (oder telepathische Frau gegen merkwürdiges echsenartiges Wesen), aber die
Geschichte kommt dabei wie so oft bei action-geladenen Filmen zu kurz. Sogar
die philosophischen Diskurse, die für die Filme der Picard-Ära so bezeichnend
sind, wurden merklich gekürzt. Dafür gab es ein wirklich sehenswertes Set (auch
wenn mir die helle, geräumige Brücke der Enterprise-D besser gefallen hat),
fantasievolle Kostüme und Masken und nette Special Effects.
Die Crew ist so gut aufeinander eingespielt, dass sie ihre Rollen auch
im Schlaf spielen könnten. Wie üblich tragen Patrick Stewart und Brent Spiner
den Film, und Spiners Interaktion mit sich selbst ist einer der wenigen
Handlungsstränge, der mehr als ein Gähnen hervorrufen konnte. Der Rest der
Geschichte bleibt in Halbheiten und Ungereimtheiten stecken.
Jetzt setze ich mal meinen Star-Trek-Fan-Hut auf, um noch einiges
loszuwerden. Ab hier übernehme ich keine Garantie mehr für Spoilerfreiheit,
also weiterlesen auf eigene Gefahr.
Einen Film zu drehen, bei dem die langjährigen Fans der Serie auf ihre
Kosten kommen und Nicht-Fans sich trotzdem nicht verloren vorkommen, ist immer
eine Gratwanderung. Bei NEMESIS wurden aber meiner Meinung nach wieder mal
viele Gelegenheiten verschenkt, die Geschichte im Trek-Universum zu verankern,
die die Uneingeweihten nicht weiter gestört hätten. Noch viel ärgerlicher fand
ich es allerdings, wenn der Trek-Kanon schlicht ignoriert wurde.
Wesley Crusher beispielsweise, der in der Hochzeitsszene aufgetaucht
ist, hat die Sternenflotte verlassen, trägt aber trotzdem eine Galauniform. Und
wo wir gerade von der Hochzeit sprechen, wo war Deannas Mutter, die dieses
Ereignis seit so vielen Jahren herbeigesehnt hat? Majel Barrett-Roddenberry war
nur wie üblich die Computerstimme, hätte aber eigentlich als Lwaxana Troi vor
der Kamera stehen sollen. Zumindest hätte mal jemand, vielleicht Picard,
erwähnen sollen, wie sehr er sich darauf freut, sie auf Betazed wiederzusehen.
Es wurde auch mit keinem Wort erwähnt, dass die Braut beinahe mit Worf vor dem
Altar gelandet wäre. Und wo wir gerade von Worf reden, was macht er eigentlich
auf der Enterprise?
Auch bei den Romulanern wird der Trek-Kanon kräftig ignoriert. Da wird
mal so eben ein Bruderplanet aus dem Ärmel geschüttelt, der noch nie erwähnt
wurde. Vielleicht haben sich die Romulaner auch geniert, weil sie die Remaner
so schlecht behandeln, und ihn deshalb vor der Föderation verheimlicht. Shinzon
ist das Ergebnis eines Komplotts, das sich explizit gegen Picards Person
richtete, aber dessen romulanische Erzfeindin Sela wird nicht einmal erwähnt.
Selbst wenn man sich nicht mit ihrer Darstellerin Denise Crosby auf ein Cameo
einigen konnte, hätte man sie leicht ins Drehbuch einbauen können, ohne dass
Sela selbst auftritt. Und was ist mit dem allmächtigen Geheimdienst Tal Shiar
passiert? Wenigstens haben die Romulaner immer noch spitze Ohren.
Die Enterprise ist nicht gerade in gutem Zustand, als Picard sie zur
Erde zurückbringt. Vielleicht hätte man daran denken sollen, ein paar von den
Verbesserungen einzubauen, die Admiral Janeway auf der Voyager zur Verfügung
hatte. Immerhin ist sie das Flaggschiff der Föderation.
Ich lasse noch mit mir darüber reden, ob es wirklich nötig war, noch
ein Vorgängermodell von Data einzuführen, aber auf jeden Fall hätte mal der
Name Lore fallen müssen, als der zerstückelte Androide auf diesem Planeten
gefunden wurde. Vielleicht haben sich die drei Ausflügler aber zu sehr auf die
nächste Tour mit ihrem Flitzer gefreut, um an Datas bösen Bruder zu denken.
Interessant war, dass ein Hintertürchen offengelassen wurde, um Spiner trotz
Datas Ableben zurückbringen zu können, falls Paramount noch einmal mit einem
dicken Scheck für den nächsten Film winkt. Ob Spiner sich das selbst ins
Drehbuch geschrieben hat?
Datas Tod war das beste Beispiel dafür, wie flach der Film inszeniert
war. Er ließ völlig kalt, einschließlich der Trauerfeier, was bei einer derart
beliebten Figur schon ein Kunststück war.
Anstelle des Action-Experten Stuart Baird hätte besser wieder Jonathan
Frakes im Regiestuhl Platz genommen. Der weiß wenigstens, wie es im
Trek-Universum zugeht.
Der zehnte Star Trek-Kinofilm sorgt leider nur dafür, dass ich nicht
traurig bin, dass es mit dieser Crew nicht weitergeht.
|










 
Kommentare? Anregungen?
Schreibt uns:
Christina
|