Magnolia

Ein Film von Paul Thomas Anderson

Mit Julianne Moore, Tom Cruise, Jason Robards, Melora Walters, William H. Macy u. a.

Christinas Meinung:

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Gibt es Zufälle? Diese Frage stellt der hochkarätig besetzte Episodenfilm von Paul Thomas Anderson. Schauplatz der Handlung ist Los Angeles, und wie in solchen Filmen üblich treffen die Zuschauer auf eine Reihe von mehr oder weniger skurrilen Gestalten, deren Schicksal auf aberwitzige Weise miteinander verknüpft ist. In einer luxuriösen Villa stirbt der reiche Earl Partridge (Jason Robards) an Krebs. Seine neurotische junge Frau Linda (Julianne Moore) will ihn plötzlich nicht mehr beerben, weil sie ihn zwar wegen des Geldes geheiratet hat, ihn inzwischen aber wahrhaftig liebt. Sein Pfleger Phil (Philip Seymour Hoffman) will ihm helfen, sich mit seinem Sohn auszusprechen. Earl hatte Frau und Sohn abserviert, und Frank T. J. Mackey (Tom Cruise) verarbeitet dieses Kindheitstrauma dadurch, dass er emanzipationsgeschädigten Männern beibringt, wie sie bei modernen Frauen doch wieder auf ihre Kosten kommen. Partridges Firma produziert ein Fernsehquiz, in dem Kinder gegen Erwachsene antreten. Da ist Wunderkind Stanley Spector (Jeremy Blackman) gerade dabei, einen Rekord zu brechen, was vor allem seinem Vater, einem erfolglosen Schauspieler, am Herzen liegt. Was aus solchen Wunderkindern werden kann, sieht man an Donnie Smith (William H. Macy), der immer noch verzweifelt und vergeblich versucht, von seinem Ruhm zu zehren. Der langjährige Moderator der Sendung, Jimmy Gator (Philip Baker Hall), hat auch gerade erfahren, dass der Krebs ihm nur wenige Monate lassen wird. Deshalb versucht er, sich mit seiner Tochter Claudia (Melora Walters) zu versöhnen, einer drogensüchtigen Prostituierten, die sich gerade in den simpel-freundlichen Polizisten Jim Kurring (John C. Reilly) verliebt hat. Schon verwirrt? Dabei kommt es noch besser. Oder auch nicht.

MAGNOLIA behandelt zwar ein schon etwas ausgelutschtes Thema, aber dennoch denke ich, dass man mehr daraus hätte machen können, vor allem mit diesen Darstellern. Anderson, der auch das Drehbuch schrieb, hatte sich da schon eine interessante Konstellation von Charakteren einfallen lassen, nur blieben diese platt und klischeehaft. Vermutlich lag das auch an Andersons stark eingeschränktem Wortschatz, der nicht sehr weit über das beliebte Wort mit F hinausgeht. Er wirft mit Schimpfworten um sich wie ein Kind, das durch diesen Schockeffekt die Aufmerksamkeit der Großen erregen möchte. Da Anderson sonst nicht viel zu sagen hat, ist das nicht abendfüllend, schon gar nicht in einem Film mit Überlänge. Ab und zu gelingt es Anderson, z. B. die melancholische Stimmung an Earl Partridges Totenbett wunderbar einzufangen, aber solche Momente sind selten. Meist drücken die Darsteller Emotionen nur aus, indem sie unkontrolliert herumbrüllen oder losheulen, wodurch dann auch noch ihr Text verschütt geht. Das fiel besonders bei Julianne Moore unangenehm auf. Die Oscar-Nominierung hätte ich lieber Philip Seymour Hoffman oder John C. Reilly gegeben, die ihre Rollen wesentlich besser ausfüllten als Tom Cruise. Was mich auch noch störte waren die abrupten Wechsel, mit denen Anderson am dramatischsten Punkt einer Szene plötzlich in einen ganz anderen Handlungsstrang einstieg, um dann kurz darauf genau da weiterzumachen, wo er vorher ausgestiegen war. Er blies einen Ballon auf, stach mit einer Nadel hinein, und versuchte dann, die kaputte Gummihülle wieder aufzublasen. Funktioniert nicht.

An Robert Altmans Meisterwerk SHORT CUTS, dem Anderson sichtbar nacheiferte, reicht MAGNOLIA bei weitem nicht heran. Altman hatte mit Raymond Carvers Kurzgeschichten eine solide literarische Vorlage, die so geschickt bearbeitet war, dass der Film nicht in seine einzelnen Episoden zerfiel. Bei Anderson hatte ich am Ende das Gefühl, dass er viel Zeit verschwendet hat, in der er sich besser seinen Figuren gewidmet hätte. Aber die Musik von Aimee Mann entschädigt für so manches.

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Zuletzt aktualisiert am: Sonntag, 30. März 2003

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