|
Nach dem Tod ihres Mannes sucht die verwöhnte Lady
Henderson (Judi Dench) nach einem Hobby, das ihre Zeit ausfüllen
kann. Da die reiche Witwe kein Talent zur Stickerei hat und
Wohltätigkeit sie langweilt, kauft sie sich ein Theater im Londoner
Westend und beauftragt den Theaterdirektor Vivian Van Damm (Bob
Hoskins) damit, eine Musikrevue auf die Bühne zu bringen. Nach
anfänglichem Erfolg wendet sich das Blatt. Um nicht weiter Verlust
zu machen, beschließt die unkonventionelle Dame, dass ihre Mädchen
auf der Bühne keine Kleider mehr tragen sollen. Dank ihrer guten
Beziehungen und eines Tricks bekommt sie dafür die Genehmigung von
den strengen Sittenwächtern: Die Mädchen dürfen sich auf der Bühne
nicht bewegen, sondern müssen als „lebende Kunstwerke“ völlig still
stehen. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges ist Lady Hendersons Theater
das einzige in London, das trotz der deutschen Bomben weiter
geöffnet bleibt.
LADY HENDERSON PRÄSENTIERT lebt von seinen
glänzenden Hauptdarstellern. Laura Henderson gab es wirklich, und
sie führte mit ihrem Impressario Vivian Van Damm die Dauerrevue nach
Pariser Vorbild und die nackten „Tableaux vivants“ im englischen
Theater ein. Außerdem war sie Berichten zufolge wohl sehr
unkonventionell und gar nicht die nette, kultivierte englische Lady,
die man sich so vorstellt. Judi Dench spielt sie mit Verve. Die
verwöhnte Lady, die immer ihren Kopf durchsetzt und alles einmal
ausprobieren muss, nimmt man ihr in jeder Sekunde ab. In Bob Hoskins
findet sie einen kongenialen Partner, der ihr in absolut nichts
nachsteht. Um die beiden herum inszeniert Stephen Frears einen
bunten Bilderreigen, der gegen Ende ein bisschen ins Melodramatische
abgleitet. Die Revue-Nummern sind mitreißend. Man hat das Gefühl,
dort im Theater zu sitzen. Was mich besonders beeindruckt hat, war
die Art, wie es Frears gelang, uns modernen Zuschauern, die mit
Bildern von nackten Körpern überflutet werden, nahezubringen, wie
schockierend die zahmen Nackten auf der Londoner Bühne damals waren.
Ein bisschen schade ist es, dass die Geschichte ziemlich flach
bleibt und außer Henderson und Van Damm keine Figur wirklich an
Tiefe gewinnt. Dench und Hoskins schaffen es zwar mühelos, den Film
zu tragen, aber gelegentlich hätte ich mir gern ein bisschen mehr
gewünscht als nur bunte Kulisse und Statisten um sie herum. Da haben
Frears und seine Drehbuchautoren die Sache mit den „Tableaux
vivants“ etwas zu weit getrieben.
LADY HENDERSON PRÄSENTIERT ist ein Film mit
punktgenauer Komik, die vom Kalauer bis zur subtilen Geste reicht,
aber es gibt auch genügend ernste und anrührende Momente, die es
unmöglich machen, dem Film einfach den Stempel „Komödie“ oder
„Musical“ aufzudrücken. Auf jeden Fall ist er ein Highlight dieses
(oder eigentlich schon des letzten) Kinojahres, das man sich nicht
entgehen lassen sollte. |