Der InsiderEin Film von Michael MannMit Al Pacino, Russell Crowe, Christopher Plummer u. a.Christinas Meinung:
"60 Minutes" ist eines der angesehensten und einflussreichsten Nachrichtenmagazine im amerikanischen Fernsehen, und der Name des Magazins ist untrennbar verbunden mit dem der journalistischen Ikone Mike Wallace. Michael Manns Film DER INSIDER basiert auf tatsächlichen Ereignissen und erzählt, wie die "60 Minutes"-Redaktion und CBS vor den mächtigen Tabakkonzernen in die Knie gingen. Lowell Bergman (Al Pacino) ist der Mann hinter den Reportagen. Er leistet die Vorarbeit für Mike Wallace (Christopher Plummer), findet die Stories und recherchiert die Fakten. Eine davon ist die Geschichte von Jeffrey Wigand (Russell Crowe). Er ist ein Chemiker, der einen wichtigen Posten bei einem großen Tabakkonzern hatte, jedoch kürzlich gefeuert wurde, weil er mit den Geschäftspraktiken seiner Firma nicht einverstanden war. Bergman überzeugt ihn, der erste hochrangige Insider der Tabakindustrie zu werden, der im Gerichtssaal und vor der Fernsehkamera bestätigt, was alle irgendwie sowieso schon wussten: Nikotin macht süchtig, und die Tabakkonzerne machen sich das zunutze, um Geld zu scheffeln. Für Wigand hat das schwerwiegende Konsequenzen. Er muss um die Sicherheit seiner Familie fürchten, eine Schmutzkampagne läuft gegen ihn, und dann geht auch noch seine Ehe den Bach runter. Als CBS aus Angst vor einer Klage des Tabakkonzerns das Interview nicht ausstrahlen will, scheint sein Opfer umsonst gewesen zu sein. Aber Bergman will es nicht einfach dabei belassen. Und plötzlich sieht sich der Journalist in einer ähnlichen Position wie sein Informant: seine Kollegen weigern sich, ihn zu unterstützen. DER INSIDER ist ein etwas zu lang geratenes Heldenepos. Der Film bringt nichts neues zum Thema Nikotin. Eigentlich geht es darin sogar überraschend selten wirklich um die Auswirkungen des Rauchens. Und es raucht niemand, was ich extrem unrealistisch fand. Ein Haufen von Journalisten ständig auf der Jagd nach brisanten Stories, und nicht einer hat mal einen Glimmstängel im Mundwinkel hängen, nicht einmal, wenn sie vor irgendwelchen Gerichtsgebäuden stundenlang auf der Lauer liegen? Man kann es mit der political correctness auch übertreiben. DER INSIDER liefert aber eine ziemlich gute Charakterstudie eines Mannes, der unter enormem Druck fast zusammenbricht, aber trotzdem das tut, was er für richtig hält. Pacinos Bergman ist der traditionelle Hollywood-Held, so aufrecht, dass es kaum auszuhalten ist. Crowes Wigand hingegen hat Zweifel, ringt mit sich und dreht beinahe durch. Er ist eine glaubwürdigere, menschlichere Figur. Das gleiche gilt für Plummers Mike Wallace, der seinen Status genießt und nicht ohne weiteres bereit ist, den aufs Spiel zu setzen und als der Mann in die Geschichte einzugehen, der CBS in den Bankrott trieb. Eine Entwicklung, die sich über zwei Jahre hinzog, in 160 Minuten wiederzugeben, ist nicht ganz einfach. Ich denke allerdings, Mann hätte besser daran getan, auf eine ruhigere Erzählweise zu setzen. Dann wäre auch Russell Crowes Leistung eher zur Geltung gekommen. Stattdessen gibt es hektische Kameraschwenks und künstlich hochgeputschte Dramatik. Da man nach den Regeln Hollywoods spielte, mussten Bergman und Wallace sich zu Beginn auch noch mit einem herumbrüllenden Araber mit schwarzem Bart auseinandersetzen. So geht es mit der Schwarzweißmalerei dann weiter, bis nur noch Al Pacino als einsamer Recke übrigbleibt, der als Belohnung auf all die Kleingläubigen herabschauen darf, die sich der Macht des schnöden Mammon gebeugt haben. Ein Dokudrama sollte man hier nicht erwarten, eher den Versuch, aus einer Geschichte, die hauptsächlich im Gerichtssaal Brisanz besaß, eine Art Actiondrama zu machen. Aber das Trio an der Spitze, allen voran Russell Crowe, reißt einiges raus. |
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Zuletzt aktualisiert am: Sonntag, 30. März 2003 Copyright 2000 Christina Gross & Monika Hübner |
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