Dem Himmel so fern

Ein Film von Todd Haynes

Mit Julianne Moore, Dennis Quaid, Dennis Haysbert, u. a.

Christinas Meinung:

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Connecticut in den 50er Jahren. Die heile Welt der perfekten Musterhausfrau Cathy Whitaker (Julianne Moore) zerbricht, als sie ihren Mann Frank (Dennis Quaid) in seinem Büro mit einem anderen Mann erwischt. Während Frank seine "unnatürliche Neigung" mit Hilfe des Therapeuten Dr. Bowman (James Rebhorn) zu bekämpfen versucht, sucht Cathy Trost bei ihrem schwarzen Gärtner Raymond Deagan (Dennis Haysbert). Aber in dem ach so liberalen Städtchen kann eine weiße Frau nicht einmal mit einem schwarzen Mann auf der Straße reden, geschweige denn mit ihm essen gehen.

DEM HIMMEL SO FERN ist ein Film, der von seinen Darstellern lebt. Die Fünfziger-Jahre-Kulisse ist perfekt von der Schrifttype des Vor- und Abspanns bis zu den Petticoats und Cocktail, aber gerade die Perfektion stößt immer wieder mit der Nase darauf, dass es eben nur dies ist: eine Kulisse.

Julianne Moore und Dennis Quaid spielen ihre zerrissenen Charaktere ganz ausgezeichnet. Dennis Haysbert strahlt vom ersten Moment an etwas vom Felsen in der Brandung aus. Regisseur Todd Haynes hat sich allerdings den Teller zu voll geladen. Rassismus, Homosexualität, Emanzipation, alles drei musste es sein, und einiges geht dadurch unter oder bleibt zu flach. Im Zentrum des Films steht Cathy, die aus ihrem Werbespot-Leben teils ausbricht, teils herauskatapultiert wird. Julianne Moore sieht in jedem Augenblick aus wie einem Hausfrauenjournal entsprungen. Ihr Bemühungen, ihr Leben zusammenzuhalten, sind anrührend, aber sie steht ziemlich allein da und erhält wenig Unterstützung von dem sie umgebenden Ensemble. Wo Haynes zunächst noch bemüht ist, ein komplettes Bild zu weben, verfällt er im Laufe des Films zunehmend ins Skizzenhafte und versucht, seine Botschaft durch knapp platzierte Platitüden rüberzubringen. Darunter leidet vor allem der Handlungsstrang um Dennis Quaid, der gut beginnt, aber dann immer mehr aus dem Bild rückt.

Während ich auch noch zu glauben bereit war, dass sich eine realitätsferne Hausfrau, die sich selbst für liberal hält, nicht ganz der Konsequenzen bewusst ist, wenn sie mit ihrem schwarzen Gärtner durch die Stadt fährt und in ein schwarzes Lokal geht, fand ich es doch ziemlich unwahrscheinlich, dass besagter Gärtner, dessen Existenz von seinem Ruf abhängt, sich so sorglos in diese Freundschaft stürzt. Raymond Deagen bleibt ein ziemlich statischer Charakter, dem Dennis Haysbert auch nicht mehr Facetten zu verleihen imstande ist.

Was ein nachdenklicher Film hätte werden können, gerät leider zu bald zum zweidimensionalen Kostümdrama. Julianne Moore reißt noch einiges heraus, aber DEM HIMMEL SO FERN fehlt etwas Entscheidendes.

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Zuletzt aktualisiert am: Donnerstag, 10. April 2003

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