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Es regnet (mal wieder) und ich möchte raus. In
unserem Kino laufen lauter Blockbuster, nur ein Film tanzt aus der
Reihe: Gernstls Reisen. Sagt mir nichts, aber mangels Alternative
gehe ich und bin überrascht! Ich weiß nicht, wie man es unkitschig
sagen kann, also muss ich Rückgriff auf das Kitschige nehmen: Bei
diesem Film wird es einem warm ums Herz.
Gernstl macht sich seit 1983 mit einem VW-Bus und
seinen Kumpels Hans Peter Fischer und dem Tonmann Stefan Ravasz auf
dem Weg, ein unbekanntes Deutschland zu ergründen. In diesem Film
ist er auf der Suche nach dem Glück, einem nicht unerheblichem
Anspruch, und er wird sogar fündig.
Lauter kleine Episoden werden aneinandergereiht, von
den Menschen, denen sie begegnen, und ihrem eigenen Leben. Es geht
menschlich, nur allzu menschlich zu.
Der Bauer, der kein Wort sagt, was beklemmend lang
gezeigt wird, der Boxtrainer, der vor der Kamera in Tränen
ausbricht, als er von seiner Ehe spricht, das Kind, aus der
Sanyasin-Gemeinde, das Vegetarier und Fleischfresser gleichzeitig
werden möchte, das alte Liebespaar aus Gotha, der Schreiner, als
Möbelfälscher tituliert, der mit dem Leben sehr, sehr zufrieden ist,
der Unfallchirurg, der inmitten von Tieren lebt, die viel fressen
und viel scheißen und letztendlich nicht anders als Menschen sind,
weil sie andauernd streiten, der Jesus vom Wörthersee, der sich
nichts Geringeres vorgenommen hat als die Welt zu retten, der
Wünschelrutengänger, der feststellt, dass es mit dem Bimbam des
Toningenieurs nicht zum Besten bestellt ist und andere
liebevoll-skurrile Gestalten werden uns ungeschminkt vorgestellt und
völlig unaufgebrezelt in ihrer natürlichen Umgebung gezeigt.
Wladimir Kaminers deutsches Dschungelbuch als Film, und sogar ein
bisschen besser.
Schade nur, dass diese liebenswerten Ausgeflippten
fast alles Männer sind, dabei bin ich sicher, dass unser Land auch
ein paar sehr eigentümliche Frauen zu bieten hat. Am Ende singt dazu
eine Sängerin in einer kleinen, dennoch barock überbordenden Kirche
What a Wonderful World. In der Zeit, in der man im Kino sitzt,
glaubt man das wirklich. Und das alles ohne große Stars. Was will
man mehr? |