Das Zimmer meines Sohnes

Ein Film von Nanni Moretti

Mit Nanni Moretti, Laura Morante, Jasmine Trinca, Guiseppe Sanfelice

Helgas Meinung

AugeAuge

Dieser Film gewann in Cannes die "Palme du Cœur" – die Herzenspalme.

Der Sohn der Familie stirbt bei einem Badeunfall und wir erleben den Versuch der Restfamilie, wieder auf die Beine zu kommen.

Die Story startet mit dem ganz banalen Alltag der Familie. Erst in der Rückschau sollte sich herausstellen, was das doch für glückliche Zeiten waren. Dann stirbt der Sohn bei einem Tauchunfall. Der Alltag der Familie bricht zusammen, alles wird plötzlich so sinnlos. Dem Vater nützt sein Beruf als Psychotherapeut bei der Bewältigung seines eigenen Kummers nicht. Die Welt hört auf, sich zu drehen. So weit, so bewegend. Doch der Regisseur kann nicht auf eine gewisse Ästhetik verzichten, die eine Distanz zum Zuschauer schafft. Eine trauernde Mutter hat Augenringe, ein müdes Gesicht und hängende Haare. Aber bitte nicht in diesem Film! Mama ist zwar offensichtlich traurig, doch das Outfit ist sorgfältig aufeinander abgestimmt, die Haut ist frisch, die Frisur sitzt. Auch der Papa ist bei aller Trauer perfekt herausgeputzt. Schade. Das nimmt dem Film die Wahrhaftigkeit und macht ihn unecht, wodurch er sich negativ von In the Bedroom unterscheidet. Doch nicht nur das, irgendwann muss auch Schluss sein mit der Trauer, die Zeit drängt, ein Happy End muss her! Es taucht auf in Form einer Sommerliebe des Sohnes, die sich bei der Familie meldet und erst von dessen Tod in Kenntnis gesetzt werden muss. Die Familie trifft das junge Mädchen und plötzlich, so mir nichts dir nichts schnallt sie, dass das Leben weitergeht und lernt von einem Moment zum nächsten übergangslos wieder das Lachen.

Der Regisseur hat sich redlich bemüht, die Trauer darzustellen, die in einer glücklichen Familie nach einem solchen Tod entsteht. Aber damit der Tod nicht gar zu schrecklich ist, wird die Situation durch Ästhetik und eine unglaubwürdige Story beschönigt. Das fand ich sehr schade, denn der Tod eines Kindes ist etwas Fürchterliches, wo es nichts zu beschönigen gibt und ich bin der Meinung, dass man dies dem Zuschauer auch zumuten kann. Der Film hätte viel besser sein können, aber immerhin muss man ihm zugute halten, dass er überhaupt so ein heißes Eisen angepackt hat, da die Bewältigung eines Todesfalles immer noch ein großes Tabuthema ist.

Home
Filmkritiken
Buchkritiken
Gastkritiken
Bewertungsschema
Über Christina
Über Helga
Über Monika
Links
Harry Potter-Fanfiction
Monika's Creatures

E-mail
Kommentare? Anregungen?
Schreibt uns:

Helga

Zuletzt aktualisiert am: Sonntag, 30. März 2003

Copyright 2002 Gesehen & Gelesen