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Brad Pitt ist für mich zunächst ein Grund, einem
Film skeptisch gegenüberzustehen. Die Story soll für sich selbst
sprechen und keine Zugpferde benötigen. Aber in dieser Riesenmenge
fantastischer Schauspieler wird die Strahlkraft dieses Namens
nivelliert.
Wie schon in Amores Perros baut Iñarritu seine
Geschichte um einen Zufall herum auf. Da verkauft ein Jagdführer in
Marokko ein Gewehr an einen Ziegenhirten, der damit Schakale erlegen
will. Seine Söhne üben sich damit und machen eine Schießwette. Die
Wette wird gewonnen, der Schuss trifft den Reisebus und damit die
Schulter von Susan, die nun stark blutet. Nun können Richard und
Susan nicht zurück nach San Diego, wo sich das Hausmädchen Amelia um
die Kinder kümmert. Amelia möchte aber unbedingt nach Mexiko, weil
ihr Sohn dort heiratet. Kurzerhand beschließt sie, die Kinder
mitzunehmen. Nach der Feier fährt ihr betrunkener Neffe sie nach
Hause. Es gibt Ärger an der Grenze. Der Neffe gibt einfach Gas.
Gleichzeitig haben wir in Tokio Teil an den Leiden eines taubstummen
Teenagers, die den Selbstmord ihrer Mutter nicht verwunden hat und
nochmals mit der Polizei sprechen möchte. Dabei erfahren wir, dass
der Vater ein Gewehr hatte, das er einem Jagdführer in Marokko
überlassen hat.
Vier lose miteinander verwobene Geschichten aus vier
höchst unterschiedlichen Kulturkreisen. Das Verhängnis zeichnet sich
schon relativ früh ab, aber keinem der Beteiligten ist es möglich,
auf die Bremse zu treten, um ein Unglück zu verhindern. Am Ende sind
alle in Extremsituationen auf sich selbst gestellt.
Die Bilder sind hart und direkt, die Inszenierung
ist sehr realistisch. Wenn irgendwo Rotz und Wasser geheult wird,
dann sieht man auch Rotz und Wasser und nicht ein gepflegtes
Gesicht, an dem eine Träne dramaturgisch perfekt in Szene gesetzt
entlangkullert.
Teilweise sind die Geschichten furchtbar banal und
grauer Alltag, so z. B. die mexikanische Episode. Die Episode in
Tokio blieb mir bis zum Schluss fremd. Interessant, aber wirklich
verstanden habe ich sie nicht. Die anderen Geschichten waren
fesselnd, teilweise war es schmerzlich zuzusehen, wie die Situation
eskalierte und keiner was dagegen tun konnte.
Schauspielerisch waren nicht nur die Zugpferde
Spitze, sondern auch das Hausmädchen (Adriana Barraza) und der
marokkanische Ziegenhirt, dessen Name auch nach längerer Klickerei
verborgen bleibt. Die Tokioterin muss auch eine
Spitzenschauspielerin sein, aber die Tatsache, dass ich mit ihr
nichts anfangen kann, werte ich als Beweis für die Authentizität des
Tokioter Settings.
Ein Film, den man sich durchaus mehrmals angucken
kann. |