SonnenalleeEin Film von Leander HaußmannMit Alexander Scheer, Alexander Beyer, Katharina Thalbach, Detlev Buck u. a.Christinas Meinung:
Die DDR war viel lustiger, als wir im Westen immer gedacht haben, Hormone machen das Leben schön, und die Pubertät ist die Hölle - auf jeder Seite des antifaschistischen Schutzwalls. So könnte man die Botschaft von SONNENALLEE kurz und knapp auf den Punkt bringen. Der Film spielt in den Siebzigern und erzählt die Geschichte von Mischa (Alexander Scheer), Mario (Alexander Beyer) und ihren Freunden, die sich mit ziemlich normalen Problemen rumschlagen: Wie kommt man an die neuesten Platten, wie kriegt man die blonde Gazelle in Hotpants dazu, mit einem auszugehen, und soll man sich die Zukunft dadurch versauen, dass man den dreijährigen Armeedienst ablehnt? Mischas Vater (Henry Hübchen) hängt im Unterhemd auf der Couch und glotzt Westfernsehen. Er erinnert an Ekel Alfred, nur ist er nicht ganz so bissig. Die Mutter (Katharina Thalbach) macht sich Sorgen um die Tochter, die jede Woche einen neuen Freund hat, und darum, was die Nachbarn denken (schließlich ist der Nachbar bei der Stasi, das weiß man, weil er Telefon hat). Ganz normale Leute eben. Leander Haußmann, Detlev Buck und Thomas Brussig haben aus Brussigs Roman AM KÜRZEREN ENDE DER SONNENALLEE eine bunte filmische Collage gemacht. Zwischen den satirischen Seitenhieben und Kabinettstückchen finden sich auch immer wieder besondere Momente wie der Versuch von Mischas Mutter, sich in den Westen abzusetzen oder die Begegnung von Mischa und Mario, bei der der Rebell Mario gesteht, dass er nun doch zur Armee geht. Am Anfang wird man mit DDR-Ausdrücken so zugeschüttet, dass man fast Untertitel bräuchte. Das gibt sich aber bald wieder. Ein bisschen habe ich mich wieder wie damals gefühlt, als wir auf Klassenfahrt mit dem Bus durch das exotische Wildgehege Ost-Berlin gekarrt wurde (auch wenn hinter unserem Bus keine übermütigen Jungen herrannten und "Hunger! Hunger!" brüllten) oder als wir auf diesen merkwürdigen "Hochsitzen" an der Mauer standen. Haußmann hat den normalen Menschen und dem DDR-Alltag ein absurd-komisches Denkmal gesetzt. Mit einer solide gestrickten Geschichte, die die Impressionen zusammenhält, würde es eher im Gedächtnis haften bleiben, aber man kann wohl nicht alles haben. |
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Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. September 2005 Copyright 2000 Christina Gross & Monika Hübner |
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