Notting HillEin Film von Roger MichellMit Julia Roberts, Hugh Grant, Gina McKee, Rhys Ifans u.a.Christinas Meinung:
Filmstars werden aus der Ferne bewundert, sind Gegenstand von Phantasien, vielleicht holt man sich auch mal ein Autogramm von ihnen. Aber normalerweise kommen sie nicht nur mal so zum Abendessen vorbei. Und was wenn doch? Diese Frage stellt Roger Michells Sommerkomödie. William Thacker (Hugh Grant) ist ein mäßig erfolgreicher Londoner Buchhändler, dessen Frau mit einem Typen durchgebrannt ist, der aussieht wie Harrison Ford. Als eines Tages der Hollywoodstar Anna Scott (Julia Roberts) in seinen Laden kommt, kann er es gar nicht fassen. Diese erste Begegnung läuft noch recht gewöhnlich ab: Er staunt sie an, sie verschwindet wieder aus seinem Leben. Aber dann gießt er auf der Straße Orangensaft auf ihr T-Shirt, und sie nimmt sein Angebot an, sich in seiner Wohnung umzuziehen und frischzumachen. Zwischen den beiden funkt es. Nach ihrem nächsten Treffen begleitet Anna William sogar zur Geburtstagsparty für seine Schwester, was Williams Familie und Freunde kaum fassen können. Aber die zarte Romanze wird immer wieder rüde unterbrochen - durch Annas Freund, durch die Presse - und immer bleibt William traurig zurück, sieht ihre Filme und versucht, sein Leben weiterzuleben. Aber Anna kann doch nicht von ihm lassen. Dieser Kreuzung aus PRETTY WOMAN und VIER HOCHZEITEN UND EIN TODESFALL liegt eine gute Idee zugrunde. Man könnte sich beinahe mit einem angenehmen Was-wäre-wenn-Gefühl im Kinosessel zurücklehnen. Aber NOTTING HILL ist auch mal wieder ein Beweis dafür, daß man Überraschungserfolge nicht nach Rezept produzieren kann. Der Film läßt sich recht gut an, aber leider geht ihm dann die Luft aus. Nach einer Weile werden die lustigen Sprüche schal. Dann rutscht der Streifen unaufhaltsam ab in die Idiotie. Julia Roberts spielt sich selbst und ist gut darin. Die Sehnsucht nach dem Leben der "normalen Menschen", das sie schon lange verlassen hat, kommt gut rüber. Aber Hugh Grant sollte sich bewußt machen, daß jungenhafter Charme ein Verfallsdatum hat. Trotzdem ist er ganz gut, wenn er mal nicht stottert und tapsig Sachen durch die Gegend wirft. Das mit Abstand dümmste an dem Film ist aber der Freundeskreis. Mitbewohner Spike (Rhys Ifans), der fatal an Zorro aus der Lindenstraße erinnert, Williams Schwester Honey (Emma Chambers) und seine Freunde Tony (Richard McCabe), Bella (Gina McKee) und Bernie (Hugh Bonneville) sind so angestrengt skurril, daß es fast weh tut, ihnen dabei zuzusehen. Man sehnt sich nach der verrückten Clique aus VIER HOCHZEITEN. Da die Geschichte aus Williams Sicht erzählt wird, kommen die Nebenfiguren aus Annas Welt völlig zu kurz. Die Interviews, die William als angeblicher Reporter mit Annas Kollegen führt, sind noch ganz unterhaltsam, aber das wars dann auch schon. Netter Versuch. Ohne die verkrampften Nebenfiguren und das debile Ende hätte daraus eine brauchbare Sommerkomödie werden können. Aber knapp vorbei ist auch daneben. Monikas Meinung:
In den etwas angestaubten Reisebuchladen von William Thacker (Hugh Grant) schneit einiges Tages eine äußerst attraktive Frau (Julia Roberts) herein. Doch bei dieser ersten Begegnung soll es nicht bleiben: Als William für das zweite Frühstück - oder was auch immer - Orangensaft besorgt, stößt er auf der Straße mit ihr zusammen und der Saft landet auf ihrer Bluse. Der Zufälle im Leben sind bekanntlich viele, und es kommt wie es kommen muß, die beiden verlieben sich ineinander, nachdem William die "Verunglückte" mit in seine Wohnung nimmt - selbstverständlich nur, um ihr Gelegenheit zu geben, sich zu säubern. Da Liebesgeschichten zwischen Berühmtheiten und "normalen" Menschen niemals ganz unproblematisch sind, bekommt der Zuschauer zwei Stunden lang das auf und ab einer solch komplizierten Beziehungskiste zu sehen, die wie alle Märchen selbstverständlich ein Happy End haben muß. Wer moderne Märchen liebt, wird bei "Notting Hill" auf seine Kosten kommen, wer sie nicht liebt, sollte sich das Eintrittsgeld sparen. Trotz teilweise witziger Dialoge ist der Film reichlich vorhersehbar. Von Julia Roberts einmal abgesehen, die sich offensichtlich nicht entscheiden kann, ob sie lieber Aschenputtel oder Prinzessin sein will, wirken die Charaktere etwas zu sehr wie Karikaturen. Hugh Grants Trotteligkeit kann bisweilen nerven - man wünscht sich manchmal, in die Handlung eingreifen zu können und ihn mittels eines kräftigen Tritts in den Allerwertesten auf den Boden der Tatsachen zu bringen: Wach auf Junge, sieh hin, sie liebt dich, so blind kann doch niemand sein. Aber nein, der freundliche Trottel schläft mit offenen Augen und rennt lächelnd an seinem Glück vorbei. Nun ja, täte er das nicht, würde dem Film wahrscheinlich ziemlich schnell die Luft ausgehen. Dafür ist sein Mitbewohner umso aufgeweckter und mitteilsamer. Letzterer hört auf den klingenden Namen Spike, was Assoziationen zu "In einem Land vor unserer Zeit" weckt. Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht an die Abenteuer einer Gruppe von verwaisten Dinosaurierkindern, von denen eines ebenfalls diesen hübschen Namen trägt. Spike ist zwar kein Dinosaurier, hat aber gewisse Neigungen, sich wie ein Höhlenmensch zu benehmen bzw. wie das, was man sich im allgmeinen darunter vorstellt. Mit anderen Worten, er wirkt etwas unzivilisiert, was zum Teil so sehr betont wird, daß es nicht mehr so komisch ist, wie es ganz sicher beabsichtigt war. Der Rest von Williams Familie und seinen Freunden ist ebenfalls ein Haufen mehr oder weniger merkwürdig einmaliger Gestalten, deren Gehabe ab und zu etwas zu gezwungen und aufgesetzt wirkt. Man braucht wahrscheinlich eine besondere Art von (britischem) Humor, um "Notting Hill" so richtig genießen zu können. Wer sich mit Julia Roberts' Zahnpastalächeln und mit Hugh Grants liebenswerter Tapsigkeit zufrieden gibt, kann trotzdem einen angenehmen Nachmittag oder Abend im Kino verbringen. Man sollte allerdings nicht zuviel erwarten, die romantische Komödie des Jahres 1999 ist dieser Film kaum, für einen Sommerlochsfilm ist er aber durchaus akzeptabel. |
Copyright 1999 Christina Gross & Monika Hübner |