Tee mit Mussolini

Ein Film von Franco Zeffirelli

Mit Joan Plowright, Maggie Smith, Cher, Judi Dench, Lily Tomlin, Charlie Lucas, Baird Wallace

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Der achtjährige Luca (Charlie Lucas) hat es nicht leicht. Seine Mutter ist tot, und sein Vater kommt zwar für die Erziehung seines außerehelichen Sprösslings auf, aber zeigt sonst wenig Interesse. Glücklicherweise gibt es da Mary Wallace (Joan Plowright), die englische Sekretärin seines Vaters. Als sie sieht wie unglücklich der Junge im Waisenhaus ist und mitbekommt, mit welchem Hass die Frau seines Vaters ihn verfolgt, nimmt sie Luca zu sich, und im Nu wird der Knirps zum Pflegesohn einer ganzen Gruppe von Engländerinnen, die das Klima und die Kultur von Florenz ihrem verregneten Heimatland vorziehen.

Unumstrittene Herrscherin der englischen Kolonie ist Lady Hester (Maggie Smith), die Witwe eines britischen Botschafters in Italien. Bei Mary Wallace findet Luca ein liebevolles Zuhause, die exzentrische Arabella Delancey (Judi Dench) erkennt seine künstlerische Begabung und die Amerikanerin Elsa Morganthall (Cher), ein ehemaliger Broadway-Star, der reiche, gebrechliche Ehemänner und moderne Kunst sammelt, wird später seine erste große Liebe. Aber die traditionelle Freundschaft zwischen England und Italien wird bald zerbrechen. Luca und Mary sind die ersten aus der Gruppe, die das zu spüren bekommen. Sie verliert ihre Stelle, und Luca wird auf ein Internat in Österreich geschickt, weil es seinem Vater nicht mehr erstrebenswert scheint, ihn zu einem englischen Gentleman zu erziehen. Mussolini empfängt zwar Lady Hester und die englische Reporterin Connie (Tessa Pritchard) in Rom zum Tee, aber seine Schwarzhemden verjagen die Engländerinnen aus den Uffizien und werfen ihr Teegeschirr zum Fenster hinaus. Nach der offiziellen Kriegserklärung werden sie interniert, doch es dauert noch lange, bis Lady Hester endlich einsieht, dass sie nicht so weiterleben kann wie bisher, nur weil ein paar Männer einen dummen Krieg angefangen haben.

TEE MIT MUSSOLINI basiert auf dem Leben von Regisseur Franco Zeffirelli. Sein Alter Ego Luca, gespielt zuerst von Charlie Lucas, dann von Baird Wallace, bleibt aber nur eine Randfigur in der Geschichte. Der Film ist vor allem ein Denkmal für die "Scorpioni", die Damen aus der englischen Oberschicht, die in Italien ihre zweite - oder auch erste - Heimat gefunden haben, so genannt wegen ihres beißenden Witzes. Und da sind sie wieder. Maggie Smith und Judi Dench, die schon in ZIMMER MIT AUSSICHT durch Florenz spazierten, und Joan Plowright, die dem Charme der Toskana in VERZAUBERTER APRIL erlag. Würze bekommt die vertraute Szenerie durch die beiden Amerikanerinnen Lily Tomlin als burschikose lesbische Archäologin Georgie und Cher als Elsa Morganthall. Es kommt ein wenig Merchant/Ivory-Stimmung auf, und es macht Spaß, die Welten von Elsa und Lady Hester aufeinanderprallen zu sehen. Viel mehr hat der Film leider nicht zu bieten. Zeffirelli gibt nur wenig von seiner persönlichen Geschichte preis. Die Darstellung dieser interessanten Periode der italienischen Geschichte bleibt flach und anekdotenhaft. Das unrealistische Drehbuch nimmt einem fast das Vergnügen am Spiel der großartigen Schauspielerinnen. Aber glücklicherweise nur fast.

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Christina Gross

Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. September 2005

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