Mad CityEin Film von Costa-GavrasMit Dustin Hoffman, John Travolta, Alan Alda, Blythe Danner, Mia Kirshner u.a.Christinas Meinung:
Der ehrgeizige Reporter Max Brackett (Dustin Hoffman) hat die Linie ein paarmal zu oft überschritten und ist deshalb bei einem kalifornischen Provinzsender gelandet. Als er frustriert einen Bericht über Kürzungen im Etat des Naturkundemuseum macht, spaziert der entlassene Wachmann Sam Baily (John Travolta) herein. Er will noch einmal mit seiner ehemaligen Chefin Mrs. Banks (Blythe Danner) reden. Damit sie ihm auch zuhört, hat er ein Gewehr und ein bißchen Sprengstoff dabei. Weil die Frau ihm natürlich nicht zuhört, sondern ihn auch noch erschreckt, löst sich ein Schuß, der dummerweise Sams ehemaligen Kollegen trifft. Sam macht das Museum dicht und schließt damit auch eine Gruppe von Schulkindern ein. Max wittert seine Chance, wieder ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zurückzukehren. Er schwingt sich zu Sams Manager auf, sagt ihm was er tun soll und spricht für ihn mit der Polizei. Währenddessen versammelt sich draußen die Reporter-Meute. Jeder interessiert sich nur für seine Story, allen voran Max, der nebenbei noch eine Privatfehde mit Anchorman Kevin Hollander (Alan Alda) austrägt. Natürlich bleibt Sam Baily dabei auf der Strecke. Costa-Gavras erzählt uns ja nichts Neues: Die Medien sind durch und durch korrupt und würden alles tun, um die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben. Der Gag mit den hektisch hin und her rennenden Reportern vor dem Museum läuft sich denn auch ziemlich schnell tot, und auch sonst hat der Film in dieser Hinsicht relativ wenig Originelles zu bieten. Aber auch schon Bekanntes kann faszinierend sein, wenn es von guten Schauspielern dargeboten wird. John Travolta trägt manchmal ein bißchen dick auf mit seiner Tolpatschigkeit. Aber er stellt wieder einmal unter Beweis, daß die Tage von GREASE und SATURDAY NIGHT FEVER schon lange zurückliegen und daß er sich hinter Schauspielern wie Dustin Hoffman, Alan Alda und Blythe Danner nicht verstecken muß. Man hätte sich vielleicht gewünscht, daß die Rollen zwischen Gut und Böse nicht ganz so eindeutig verteilt worden wären, aber was bei diesem Film einen bitteren Geschmack zurückläßt ist die Gewissheit, daß es keine Grenzen mehr zu geben scheint und daß sich alles jederzeit genau so zutragen könnte. Monikas Meinung:
Eigentlich will Sam Baily (John Travolta) nur seinen Job zurück, als er eines Morgens in seiner Wärteruniform das Naturkundemuseum betritt, wie er es mehrere Jahre lang täglich getan hat. Um bei seiner ehemaligen Chefin mehr Eindruck zu machen, hat er vorsichtshalber ein Gewehr und ein paar Stangen Dynamit eingepackt - als Vorbeugungsmaßnahme sozusagen, man weiß nie, wozu man es brauchen kann. Zufällig ist gerade eine Schulklasse im Museum, außerdem der Journalist Max Brackett (Dustin Hoffman), der eine Reportage über die Probleme des Museums machen soll. Sam ist nämlich schlicht und einfach einer Sparmaßnahme zum Opfer gefallen. Er ist außerdem nicht gerade der Hellsten einer, verhandeln liegt ihm sowieso nicht, und durch seine Ungeschicklichkeit im Zusammenspiel mit einem unglücklichen Zufall nimmt er versehentlich das ganze Museum als Geisel und schießt ebenso versehentlich seinen Ex-Kollegen Cliff an. Max, der das Geschehen von der Herrentoilette aus - zunächst unbemerkt - verfolgt, wittert die Chance einer Exklusivstory und beschließt, aus der Geiselnahme eine Art Liveshow im Fernsehen zu machen. Wer nun glaubt, die Handlung von MAD CITY sei an den Haaren herbeigezogen und könnte so im wirklichen Leben nicht passieren, der sollte sich nur an den Presserummel um Lady Dianas Tod im letzten Jahr erinnern. Hier wird uns vor Augen geführt, wozu die Medien im Falle eines Falles imstande sind, die Pietätlosigkeit kennt keine Grenzen. Um das Museum herum tummeln sich jedoch nicht nur die Reporter auf der Jagd nach einer Geschichte, auch die Schaulustigen sind Legion, und zwar in einem Maße, daß es sich lohnt, Hot Dog-Stände und Getränkebuden aufzubauen. Sogar T-Shirts werden gedruckt mit dem Konterfei der beiden glücklosen Museumswärter Sam und Cliff. Die Sympathien der Öffentlichkeit sind geteilt, die einen sorgen sich um den angeschossenen Cliff, während die anderen ihr Mitgefühl an Sam verschwenden, der - da stellungslos - seine Frau und seine beiden Kinder nicht mehr ernähren kann. Die beiden Hauptrollen sind großartig besetzt mit Dustin Hoffman und John Travolta, wobei letzterer in der Rolle des Tolpatsch Sam ein wenig erstaunen mag. Er zieht sich jedoch gut aus der Affäre und beweist, daß er nicht nur in Actionfilmen den Helden zu mimen vermag. Man hat richtig Mitleid mit ihm, wenn er erzählt, wie er jeden Morgen seine Uniform anzieht, seine Brote schmiert und sich auf den Weg zur Arbeit macht, obwohl er diese längst verloren hat, sich aber nicht traut, dies seiner Frau zu sagen. Man fragt sich, ob sie ihn sonst vielleicht übers Knie legen würde wie einen ungezogenen Jungen. Er ist sicher einer der sympathischsten Geiselnehmer der Filmgeschichte. Etwas unverständlich erscheint, warum die Handlung sich in einem Provinzmuseum in Kalifornien abspielen muß, da alle Außenaufnahmen in New York vor dem American Museum of Natural History entstanden sind, eine Kulisse, die jedem, der schon einmal dort war, bekannt ist. Trotz kleiner Schönheitsfehler handelt es sich hier jedoch um einen sehenswerten Film, der leider von solchen Blockbustern wie TITANIC oder STARSHIP TROOPERS in die kleineren Kinosäle gedrängt worden ist, was er IMHO nicht verdient hat. |
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Copyright 1998 Christina Gross & Monika Hübner |