Zugvögel ...

Einmal nach Inari

Ein Film von Peter Lichtefeld

Mit Joachim Król, Peter Lohmeyer, Outi Mäenkää

Christinas Meinung:

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Es gibt nur eine Sache, die etwas Licht in das dröge Leben des Dortmunder Bierkutschers Hannes Weber (Joachim Król) bringt: Fahrpläne. Wenn er nicht mit seinem Freund und Kollegen Lothar (Jochen Nickel) Bier ausfährt, sitzt er über seinen Kursbüchern und sucht nach dem schnellsten Weg von Dortmund nach Neapel oder Berlin nach Barcelona. Das scheint ihm auch ganz recht zu sein, denn er geht weder auf die Annäherungsversuche der Supermarktverkäuferin ein, noch läßt er sich von Lothar für Fußball begeistern. Sein Herzenswunsch ist die Teilnahme am ersten Fahrplanwettbewerb der Welt, der im finnischen Inari ausgetragen wird. Als sein neuer Chef ihm seinen Sonderurlaub streicht, flippt Hannes aus und schlägt ihn nieder.

Kurz darauf wird sein Chef tot aufgefunden, und der friedliche Bierkutscher ist für Kommissar Stefan Fanck (Peter Lohmeyer) und seinen Assistenten Harry (Hilmi Sözer) der Verdächtige Nr. 1. Der Kommissar nimmt auch bald seine Spur auf, aber dann vertieft er sich so sehr in die Welt der Fahrpläne, daß er schnell jedes Interesse an der Aufklärung des Mordes verliert. Nicht aber daran, Hannes zurück nach Dortmund zu bringen.

Joachim Król spielt wieder mal den knuddeligen kleinen Mann, der sämtliche Mutterinstinkte Amoklaufen läßt. Scheinbar arglos, aber schwierige Situationen mit einer gewissen Schläue meisternd und durchaus bereit, auch mal ein Auge zuzudrücken. Hannes ist ein wandelnder Anachronismus. Seine Wohnung sieht aus wie aus den 50er Jahren importiert, und er träumt vom Zugfahren zu Zeiten des Jumbojets. Aber daß es garnicht darauf ankommt, so schnell wie möglich von einem Ort zum anderen zu gelangen, lernt er auch erst auf seiner Reise. Diese Lektion erteilt ihm vor allem die Finnin Sirpa (Outi Mäenpää), die auf dem Weg zurück zu ihrem arbeitsüchtigen Freund ist, dann aber doch alle Vernunft über Bord wirft und mit Hannes nach Inari fährt. Auch sie ist im Grunde eine Romantikerin, die davon träumt, im unwirtlichen finnischen Klima Rosen zu züchten. Beide brauchen nicht viele Worte.

Es ist erholsam, mal wieder einen deutschen Film zu sehen, der keine Hochglanzkomödie ist. In ZUGVÖGEL glänzen nicht die Kulissen, sondern die Natur, vor allem die finnische Seenlandschaft. Auch wenn die Flucht Hannes' vor der Polizei einmal kurz dramatische Züge annimmt, stört keine Hektik den ruhigen Fluß des Films. Statt überdrehtem Herumalbern findet man hier lakonischen Humor. Und kleine, ironische Verbeugungen vor dem deutschen Fernsehkrimi und den Filmen von Aki Kaurismäki.

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Christina Gross

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Zuletzt geändert: 07. September 2005