Im Körper des FeindesEin Film von John WooMit Nicolas Cage, John Travolta, Gina Gershon, Joan Allen u.a.Christinas Meinung: Mittels einer brandneuen Operationstechnik läßt sich FBI-Agent Sean Archer (John Travolta) das Gesicht von Erzschurken Castor Troy (Nicolas Cage) verpassen, um von dessen Bruder Pollux (Alessandro Nivola) zu erfahren, wo eine gigantische Bombe versteckt ist, die einen Teil von L. A. in Stücke reißen soll. Castor wacht daraufhin aus seinem Koma auf, klaut Archers Gesicht und bringt alle Leute um, die davon wissen. Das wäre ein interessanter Science-Fiction-Thriller geworden, vor allem mit Nicolas Cage und John Travolta in den Hauptrollen. Leider war der Regisseur John Woo, und aus dem ganzen wurde ein Action-Spektakel, wie es im Buche steht. Ob Hollywood an allem Schuld ist und er früher wirklich bessere Filme gemacht hat, kann ich nicht beurteilen, da ich noch nie einem Film von ihm gesehen habe und es mir jetzt wahrscheinlich auch nicht wieder antun werde. Stunts und Special Effects hätten sich sicher gut in diese Handlung integrieren lassen. Stattdessen hatte ich das Gefühl, daß eine bestimmte Reihe von Stunts einfach abgehakt werden mußte und die Handlung dahinter zurückzustehen hatte. Der Gipfel war mit Sicherheit die Speedboat-Jagd zum Schluß. Auch wenn sie gut inszeniert war. Schießereien in Zeitlupe mögen Woos Markenzeichen sein, aber muß er deshalb den halben Film in Zeitlupe drehen? Irgendwann fing ich an, nach der Fernbedienung zu suchen, um die Fast-Forward-Taste zu drücken. Auch wenn die Szene in der Kirche vielen Leuten gefallen hat und sie eine Hommage an weiß der Himmel was war, ich fand die Tauben einfach nur kitschig. Zu Beginn waren Archer und Troy nichts als überzeichnete Klischeefiguren. Nach dem Gesichtertausch spielt Travolta Cage und Cage Travolta. Und überraschenderweise sind beide darin ziemlich gut. Wenn man sie da ein bißchen hätte gewähren lassen, wäre noch ein halbwegs sehenswerter Film daraus geworden. Leider schaltete Woo sofort in den Zeitlupenmodus, wenn die beiden einmal richtig warm wurden. Immerhin kamen Joan Allen und Gina Gershon nicht als dumme Hühner daher, wie sonst bei Frauen in Actionfilmen üblich. Den Part hat Dominique Swain als Archers Tochter gepachtet. Der Rest der Besetzung ist nicht weiter erwähnenswert. Das war ohnehin nur Kanonenfutter. Mehr fällt mir zu diesem Machwerk wirklich nicht ein. Allen, die mir jetzt gerne sagen möchten "Dann seh Dir solche Filme eben nicht an." möchte ich sagen: spart Euch die Mühe, ich werd's sicher nicht tun. Monikas Meinung:
Man soll bekanntlich nicht mit der Tür ins Haus fallen, aber es sei trotzdem gleich zu Anfang gesagt: "Im Körper/des Feindes" ist eine geniale Idee für einen intelligenten Actionfilm, die leider allzubald in einem drittklassigen Hollywood-Spektakel versandet. Dabei fängt alles so vielversprechend an: Zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, schlüpfen jeweils in die Rolle des anderen. Der eine freiwillig, der andere, weil ihm keine andere Wahl bleibt, wenn er überleben will. John Travolta spielt die Rolle des FBI-Agenten Sean Archer, dessen kleiner Sohn bei einem Attentat getötet wird, das eigentlich ihm galt. Archer vereint alle Tugenden in sich, er ist ein guter Ehemann, ein liebevoller Vater und ein loyaler Polizist. Im Gegensatz zu seinem Auftritt in MICHAEL, wo er lediglich einen scheinheiligen Engel verkörperte, kann er hier als Hüter von Recht, Gesetz und Ordnung brillieren. Das ändert sich jedoch, als er das Gesicht des Gangsters Castor Troy (Nicolas Cage) erhält und mir nichts, dir nichts in die gegenteilige Rolle schlüpfen muß, was ihm beachtlich gut gelingt. Ein weiterer Pluspunkt für Travolta: In FACE/OFF muß er nicht tanzen. Nicolas Cage spielt den Gangster Castor Troy, der, als er nach einer Schießerei aus dem Koma erwacht, feststellen muß, daß er kein Gesicht mehr hat. Was liegt näher, als das Ärzteteam als Geiseln zu nehmen und zu zwingen, ihm das Gesicht von Archer zu geben, das praktischerweise in Formol oder was auch immer konserviert im Nebenraum aufbewahrt wird. Um alle Spuren zu verwischen, brennt Troy hinter sich alles nieder, so daß zunächst außer Archer niemand von seiner wahren Identität weiß. Der Rollentausch ist nun perfekt, auch für die beiden Schauspieler, die an dieser Stelle in die Haut ihres Gegenspielers schlüpfen. Cage ist fortan Travolta, und Travolta ist Cage. Leider wird das Drehbuch im folgenden immer verworrener, von der Glaubwürdigkeit der Geschichte einmal ganz abgesehen. Es wird wohl vorausgesetzt, daß man alles glaubt, wenn einem der Gedanke, daß zwei Menschen einfach die Gesichter tauschen, nicht von vornherein zu absurd erscheint. Vielleicht wäre es plausibler gewesen, wenn die beiden Hauptdarsteller physisch nicht so unterschiedliche Typen wären. Aber daß eine langjährige Ehefrau sich täuschen läßt und erst die Blutgruppe ihres vermeintlichen Ehemannes überprüfen muß, um sich davon zu überzeugen, daß er es wirklich ist, erscheint doch äußerst unglaubwürdig. Immerhin sollte es ihr doch auffallen, wenn der Herzensgatte plötzlich vom amerikanischen Musterbürger zum Charakterschwein mutiert. Wirklich äußerst merkwürdig, zumal Travolta sich nicht so viel Mühe gibt wie Cage, seinen Gegenspieler überzeugend darzustellen. Das sind jedoch lediglich kleinere Schwächen des Drehbuchs. Schlimmer ist die Tatsache, daß die letzte halbe Stunde des Films wirklich nur noch aus Actionfilm-Klischees besteht. Es wird in der Gegend herumgeballert, was das Zeug hält, den Höhepunkt bildet jedoch eine Motorbootjagd, in der man - endlich - die obligatorischen Explosionen unterbringen kann. Davon gibt es dann gleich drei am Stück, eine beeindruckender als die andere, damit die Pyrotechniker nicht umsonst bezahlt worden sind. Dabei haben wir uns doch schon in SPEED 2 gefragt, ob es wirklich so einfach ist, ein größeres Schiff zur Explosion zu bringen. Leider hatte auch John Woo keine originellere Idee für ein Finale. Wäre es bei den Explosionen und beim Abtransport der toten/schwerverletzten Helden geblieben, wäre die Sache halb so schlimm. Leider kommt es noch schlimmer - doch, diese Steigerung ist möglich -, denn der Schluß gibt dem Film vollends den Rest: Wir müssen uns eine Familienzusammenführung ansehen, wie sie neuerdings in Hollywood Mode geworden zu sein scheint, und das zum zweitenmal in diesem Sommer. FACE/OFF meets CON AIR, und das Desaster ist perfekt. Schade, Mr. Woo, aber das war leider ziemlich daneben. |
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