Star Wars: Die dunkle Bedrohung

Ein Film von George Lucas

Mit Natalie Portman, Liam Neeson, Ewan McGregor, Jake Lloyd, Pernilla August u. a.

Christinas Meinung:

Wenn es um George Lucas geht, heißt das Motto "Nicht kleckern, sondern klotzen". Deshalb machte er 1977 nicht einfach einen Science Fiction-Film, sondern plante ein gewaltiges Weltraumopus. Läppische 22 Jahre später beglückt er die Welt dann endlich mit dem Anfang der Geschichte von Luke Skywalker, Darth Vader und all den anderen. Herausgekommen ist dabei ein grottenschlechter Film.

Doch zunächst zu dem bisschen Handlung, dass zu finden war. Die mächtige Handelsföderation hat eine Blockade über den Planeten Naboo verhängt. Der Senat der Republik schickt die Jedi-Ritter Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) und Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) zu Verhandlungen nach Naboo, aber obwohl sie es mit ihren Laserschwertern spielend mit ganzen Horden von Kampfrobotern aufnehmen können, bleibt ihnen letzten Endes nichts weiter übrig, als Naboo mit Königin Amidala (Natalie Portman) und ihrem Gefolge fluchtartig zu verlassen. Sie landen mit Motorschaden auf dem entlegenen Planeten Tatooine, wo es dann zu der schicksalhaften Begegnung zwischen den Jedi und dem Jungen Anakin Skywalker (Jake Lloyd) kommt.

Weil man sich ja irgendwie steigern musste, gibt es in diesem Film zwei Weltraumhippies, Pardon: Jedi-Ritter, und statt dem Burgfräulein Leia haben wir die Geisha Amidala, und zwar in doppelter Ausführung. Im Laufe des Films drängte sich allerdings die Frage auf, wieso überhaupt Schauspieler engagiert wurden. Wenn man die paar Figuren auch noch im Computer kreiert hätte, wäre das sicher nicht weiter aufgefallen. Übrigens kann ich durchaus verstehen, warum der Imperator später wieder auf Sturmtruppen umgestiegen ist. Diese Kampfroboter fielen ja schon auseinander, wenn man sie nur scharf ansah, auch wenn sie praktisch zu verstauen waren. Das mussten sie auch sein, denn bei denen machte es nur die Masse.

George Lucas ist in den zwanzig Jahren auch noch der Rest Originalität abhanden gekommen. Der Film besteht nur aus lieblos aneinandergeklatschten Szenen, und vom Wüstenplaneten Tatooine bis zu Laserschwert-Gefechten über bodenlosen Abgründen ist alles schon mal dagewesen. Nicht mal die Action stimmt. Das hochdramatische Pod-Rennen zieht sich so lang, dass man ruhig eine Pinkelpause einlegen kann, und der Kampf zwischen den beiden Jedi-Rittern und dem hübsch angemalten Bösewicht Darth Maul wurde übel zerschnipselt und wahllos mit anderen Gefechtsszenen vermischt, so dass an mitfiebern nicht zu denken ist.

Die Dialoge sind aus hehren Sprüchen und einer gehörigen Portion Kitsch zusammengeschustert und mit einer Prise abstruser Mythologie gewürzt. Nicht einmal die Dosis selbstironischen Humors, die schon so manchen flachen Actionfilm wenigstens im englischen Original erträglicher machte, ist hier zu finden. Man kann sich nur fragen, wozu die ganze Anstrengung? (Ja, ja, massenweise Dollars, aber die Frage war rethorisch.)

Hier handelt es sich nicht um einen Film, sondern um ein überlanges Videospiel, nur fehlte dem Publikum leider der Joystick zum mitspielen.

Monikas Meinung:

Monikas Symbol

Zwanzig Jahre nach dem sensationellen Erfolg von Krieg der Sterne, der eigentlich den vierten Teil einer sechsteiligen Saga repräsentiert, sollen die Kinozuschauer endlich erfahren, wie alles einst begann. In Teil I erzählt George Lucas die Kindheit von Anakin Skywalker (Jake Lloyd), dem späteren Darth Vader bzw. dessen erste Begegnung mit den Jedi Rittern. Bis wir erfahren, warum aus dem niedlichen kleinen Jungen schließlich die Verkörperung des Bösen wurde, müssen wir aber noch einmal zwei Teile des Epos über uns ergehen lassen – bleibt nur zu hoffen, dass sie etwas mehr zu bieten haben werden als Teil I.

Trotz aller High Tech, die heute zur Verfügung steht, kommt Die dunkle Bedrohung noch schwächer daher als Die Rückkehr der Jedi Ritter, das schwächste Glied in der ursprünglichen Trilogie. Aufwendige Special Effects können die extrem dünne Geschichte nicht tragen, Teil I fehlt einfach der rote Faden, neue Ideen sind kaum vorhanden. Man hat das Gefühl, dass man alles schon einmal gesehen hat, mit weniger perfekten SF/X zwar, dafür phantasievoller. So schön ein Laserschwert-Duell auf der Leinwand auch aussehen mag, neu ist es nicht, in jedem Star Wars Film hat es eins gegeben. Wenn Darth Vader noch geheimnisvoll wirkte in seiner düsteren Maske, so ist der Bösewicht Darth Maul in Die dunkle Bedrohung in seiner Teufelsmaske doch reichlich vordergründig und wirkt eher etwas lächerlich.

Absolut unerträglich ist hingegen das amphibische Alien Jar Jar Binks, das unsere Helden auf ihrer Reise durchs Universum mitschleppen, nachdem sie es auf einem abgelegenen Planeten aufgelesen haben. Nach zwei Stunden kann man nur noch stöhnen "Erschießt ihn endlich, egal was der Tierschutzverein dazu meint!". Hoffen wir, dass George Lucas uns ein Wiedersehen mit Jar Jar erspart, man könnte ihn z.B. auf einem abgelegenen Planeten aussetzen... Auch Liam Neeson als Qui-Gon Jinn und Ewan McGregor als junger Obi-Wan Kenobi können den Film nicht retten, sie tun ihr Bestes, aber das Drehbuch lässt keinen Raum für schauspielerische Leistungen.

Wie Teil IV – VI ist auch Die dunkle Bedrohung eine nahezu frauenfreie Zone. Lediglich Königin Amidala (Natalie Portman) in ihrem für die ferne Zukunft reichlich lächerlich wirkenden Kostüm (welche Frau will solche Klamotten freiwillig tragen?!) sowie Anakins Mutter (Pernilla August) repräsentieren das weibliche Geschlecht. Sonst sieht man wenig weibliche Statisten, so dass man sich fragt, wie auf diesen fernen Planeten die Fortpflanzung gewährleistet ist. Aber halt, da war doch diese Sache mit der unbefleckten Empfängnis... Der heilige Geist treibt sein Unwesen auch im Star Wars Universum – lieber Herr Lucas, hier haben Sie wohl wirklich etwas zu dick aufgetragen.

Vielleicht hätte George Lucas es jemand anderem überlassen sollen, das Drehbuch zu schreiben und sich mit dem Regiestuhl begnügen sollen. Selbst die aufwendigen SF/X, die über die allzu dünne Story hinwegtäuschen sollen, können oft nicht überzeugen. Die mechanischen Krieger erinnern allzu sehr an blecherne Stehaufmännchen (und scheinen auch nicht sehr haltbar zu sein), eine ganz besondere Fehlkonstruktion sind aber die immer wieder gezeigten Reittiere, die an zweibeinige Dinosaurier erinnern. Offensichtlich ist niemandem aufgefallen, dass sie eigentlich ständig auf die Schnauze fallen müssten, weil sie bei dieser Körperhaltung ohne einen langen Schwanz als Balancierstange unmöglich das Gleichgewicht halten können. Märchen hin, Märchen her, die Gesetze der Statik und Schwerkraft gelten auch anderswo im Universum, und selbst wenn man sich mittlerweile damit abgefunden hat, dass Raumschiffe im Vakuum "wruummm" machen, kann man uns dann doch nicht alles verkaufen.

Man fragt sich, warum bei einem Film, der sich auf dem intellektuellen Niveau von Zehnjährigen befindet, ausgerechnet diese Altersgruppe draussen bleiben muss. Die Altersbeschränkung auf zwölf ist in diesem Fall ein Witz, jedenfalls ist nicht ganz klar, aufgrund welcher Kriterien sie festgelegt wurde. Kein Sex, keine nackten Frauen, nackte Männer sowieso nicht, keine Gewalt, jedenfalls sehr viel weniger als in einem durchschnittlichen "Kinderprogramm", warum also? Hätte man diejenigen ins Kino gelassen, die an diesem Spektakel wenigstens noch ihren Spass gehabt hätten, wären sicher ein paar Millionen Dollar mehr an Einnahmen zu erzielen gewesen.

Fazit: Der Glanz ist dahin, der Lack bekommt Risse und bröckelt langsam ab. Vielleicht sollte man es dabei bewenden lassen, aber darauf dürfen wir kaum hoffen.

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Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. September 2005

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