Wilde Kreaturen

Ein Film von Robert M. Young und Fred Schepisi

Mit Jamie Lee Curtis, John Cleese, Kevin Kline, Michael Palen u.a.

Christinas Meinung:
KatzeKatze

John Cleese hat die Truppe aus 'A Fish Called Wanda' noch einmal zusammengetrommelt und wieder einen Film von aberwitziger Komik hingelegt.

Die Namen sind neu, aber an den Charakteren hat sich nicht viel geändert. Cleese spielt Rollo Lee, einen verklemmten, tapsigen Engländer, der zum Direktor eines heruntergewirtschafteten Zoos berufen wurde. Curtis ist Willa Weston, die amerikanische Managerin, die vom Konzernchef geschickt wurde, um den Profit auf die vorgeschriebene Höhe zu treiben. Palin ist wieder der linkische Sonderling, aber weil er es letztes Mal so leicht hatte beim Text lernen, muß er diesmal unablässig reden. Klines Rolle als Fiesling ist quasi zweigeteilt worden. Er spielt sowohl Rod McCain, den skrupellosen Konzernchef, als auch seinen schleimigen, nutzlosen Sohn Vince. Einen reizenden Gastauftritt hat Klines Zunge, die immer da hin will wo sie nicht hingehört.

Diesen Film sollte man sich nicht auf deutsch ansehen. Es sei denn, man mag es vulgär und auf der untersten Stufe schlechten Geschmacks. Natürlich wird man auch im Original mit jedem nur erdenklichen Spruch zum Thema Busen, Sex, etc. konfrontiert, aber da ist es komisch. Fragt mich nicht warum. Ich denke seit Tagen darüber nach und bin der Lösung noch keinen Schritt näher.

Curtis' Rolle hat nicht so viel Biss wie in 'A Fish Called Wanda'. Sie darf hier nur ihren Busen paradieren. Daher trägt sie auch nie die für weibliche Manager übliche Uniform (das allgegenwärtige Kostüm mit der langen Jacke). Willa Weston selbst ist ziemlich langweilig. Aber ohne sie würde der Anlaß für ca. ein Drittel der Witze fehlen.

Der Rest der Komik ergibt sich daraus, daß böse amerikanische Kapitalisten einen idyllischen britischen Zoo aufkaufen und ihm die Seele rauben. Tiere, die nicht den entsprechenden Nervenkitzel bieten, sollen abgeschafft werden, notfalls mit dem Revolver.

Die pfiffige Tierpflegermannschaft greift zu allerlei Tricks, um ihre Lieblinge als wilde Bestien zu präsentieren, aber es klappt nicht so ganz. Die niedlichen Viecher erobern aber sowohl das Herz Rollos als auch das von Willa Weston (Obwohl es bei ihr wohl eher der Gorilla war). Vorher wird der Zoo aber noch mittels Sponsoring etwas aufgemotzt. Plötzlich stehen überall Tafeln mit Bildern von Berühmtheiten wie Miss Piggy und Saddam Hussein. Die Pfleger laufen zuerst wie Rennfahrer in bunten Anzügen mit den Namenszügen der Sponsoren herum und müssen sich später sogar als die Tiere verkleiden, die sie betreuen.

Possierliche Tiere, Schauspieler mit einem angeborenen Sinn für Komik (einige der Pflegerinnen und Pfleger sind ebenso niedlich wie ihre Tierchen) und ein tiefer Griff in die Kiste mit dem schlüpfrigen Humor, die wohl alle Ex-Monty-Pythons noch auf dem Dachboden stehen haben, ergeben einen saukomischen Film.

Nur der Schluß ist dann etwas überdreht. Ich würde gern mal den sehen, der beim amerikanischen Testpublikum durchgefallen ist.

Monikas Meinung:

FußabdruckFußabdruckFußabdruck

Willa Weston (Jamie Lee Curtis) und Vince McCain (Kevin Kline) werden von dessen Vater Rod (ebenfalls Kevin Kline) nach England geschickt, um dort die Leitung eines Zoos zu übernehmen und diesen zu einem profitablen Unternehmen zu machen. Die Strategie ist einfach, der derzeitige Manager (John Cleese) verkündet es: Es sollen nur noch wilde Tiere gezeigt werden, alle anderen müssen weg. Über die Realisierung dieses "weg" ist man sich jedoch nicht so ganz einig, wenn man sie nirgendwo los wird, müssen sie eben erschossen werden. Den Tierpflegern ist das natürlich überhaupt nicht recht, und sie lassen sich alles mögliche einfallen, um es zu verhindern. Aus harmlosen, zahmen Tieren werden plötzlich wilde Kreaturen, die auf jeden, der sich ihnen nähert, losgehen. Angeblich. Im folgenden ergeben sich am laufenden Band jede Menge mehr oder minder komische Situationen und Verwicklungen.

Ohne das Original zu kennen, stelle ich einfach mal in den Raum, daß die Synchronisation ziemlich daneben ist, und damit meine ich keineswegs nur solche Wortschöpfungen wie "Tittenbissen". Wortspielereien sind bekanntlich schwer zu übersetzen, aber trotzdem könnte man sich zumindest Mühe geben, im Rahmen des guten Geschmacks zu bleiben. Spontan fällt mir nur noch ein Film ein, der ähnlich schlecht und geschmacklos synchronisiert ist, nämlich "Die Filzlaus" mit Jacques Brel und Lino Ventura. Im Original funktionieren dort alle Gags allein durch die Situationskomik und die schauspielerische Leistung. Ich weiß nicht, ob es bei "Wilde Kreaturen" wirklich genauso ist, aber ich wurde diesen Eindruck irgendwie nicht los. Sollte ich wider Erwarten doch noch die Möglichkeit haben, "Wilde Kreaturen" im Original zu sehen, dann werde ich dies auf jeden Fall tun.

Trotzdem ist der Gesamteindruck ziemlich positiv, auch wenn ich das Finale zum Thema "Wie werde ich eine Leiche los" etwas überzogen fand. Einen Moment lang hatte ich die Hoffnung, das Problem würde auf die naheliegendste Weise gelöst, nämlich indem man sie einfach an die wilden Tiere verfüttert. Aber das wurde ja schon einmal verfilmt von den Franzosen, nämlich in "Le père Noel est une ordure", ein außerhalb Frankreichs aber wohl kaum bekannter Film. Trotzdem denke ich mir, daß gut geklaut immer noch besser ist als schlecht erfunden, und Assoziationen hätte ein solcher Schluß wohl schlimmstenfalls in Frankreich geweckt. Schade.

Nichtsdestotrotz: Auch wenn der Humor gegen Ende des Films abflacht (oder sollte auch dies auf die Synchronisation zurückzuführen sein?), gibt es genügend komische Momente, um den Zuschauer bei der Stange zu halten und die Lachmuskeln zu trainieren.

Nachtrag

Den obigen Kommentar habe ich vor ca. zwei Monaten geschrieben, als "Wilde Kreaturen" in die deutschen Kinos kam. Inzwischen konnte ich mich davon überzeugen, daß ich mit meiner Vermutung, der Film sei totsynchronisiert worden, absolut recht hatte. Von der Geschmacklosigkeit der deutschen Dialoge ist nichts zu spüren, obwohl auch im englischen Original einige Scherze arg unter die Gürtellinie zielen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grunde ist es auf Englisch jedoch nur komisch, ein Phänomen, das mir schon häufiger begegnet ist. Was in einer Sprache komisch ist, kann in einer anderen bei gleichem Wortlaut ausgesprochen unpassend und geschmacklos sein. Am schwachen Schluß des Films ändert das jedoch nichts, auch ich würde gern einmal das ursprünglich gedrehte Ende sehen, das den Weg aus den Universal Studios hinaus nicht geschafft hat.

Fazit: Die deutsche Fassung dieses Films ist zu meiden, die Originalversion ist dagegen empfehlenswert.

E-mail
Kommentare? Anregungen?
Schreibt uns:
Monika Hübner
Christina Gross

HomeFilmkritikenBuchkritiken
GastkritikenBewertungsschemaÜber Christina
Über MonikaLinksMonika's Creatures

Copyright 1997 Christina Gross & Monika Hübner
Zuletzt geändert: 07. September 2005